KLOSTER- UND HEIMATGESCHICHTSVEREIN- KNIEBIS


 
 

Der sogenannte Bischofskrieg in Straßburg

Bischof Manderscheid kam auf den Straßburger Bischofsstuhl, als sich bereits als Folgen der Reformation tiefgreifende Anzeichen einer religiösen Spaltung, auch der Mitglieder des Domkapitels, aufzeigten. Er war entschiedener Anhänger der alten Lehre und hatte dabei auch stets Beihilfe durch das Amt Oberkirch.
Bei der Bischofswahl nach dem Tode von Manderscheid (1592) trafen die Gegensätze voll aufeinander. Es standen sich ein katholisches und ein protestantisches Lager für die neuerliche Besetzung des fürstbischöflichen Stuhles gegenüber. Die protestantische Partei erwählte  den 15jährigen Georg von Brandenburg und erhob Anspruch, vor allem auf das rechtsrheinische Gebiet. Die katholischen Anhänger wollten dagegen Herzog Karl von Lothringen, Bischof von Metz, als Nachfolger von Bischof Manderscheid auf dem Straßburger Bischofsstuhl.

Georg von Brandenburg, der sich Administrator des bischöflichen Stuhles nannte, hat vorübergehend das Amt Oberkirch verwaltet und u.a. auch finanzielle Unterstützungen von Herzog Friedrich von Württemberg erhalten. Dieser hatte ohnehin schon lange ein großes Interesse an der Ausweitung des württembergischen Gebiet nach Westen, nicht zuletzt auch deswegen, um sich seiner linksrheinischen württembergischen Besitzungen Mömpelgard und Reichenweier anzunähern.
Die schwierigen Auseinandersetzungen wurden schließlich im Vertrag zu Hagenau (22. Nov. 1804) beigelegt.
Johann Georg von Brandenburg, der sich zwischenzeitlich verheiratet hatte und sich immer länger außerhalb des rechtsrheinischen Bistums aufhielt, wurde entschädigt und verzichtet auf seinen Anspruch auf das Fürstbistum. So konnte jetzt Karl von Lothringen Nachfolger von Bischof Manderscheid werden.

Doch die vorausgegangenen Schwierigkeiten und finanziellen Belastungen sahen ihn veranlasst, das Renchtal für 380000 Gulden an Herzog Friedrich von Württemberg zu verpfänden. Das war der Beginn der sogenannten Württembergischen Pfandherrschaft (1604), die zunächst nur für 30 Jahre vorgesehen war, jedoch dann lediglich mit einer Unterbrechung von 1636- 1649 bis 1664 dauern sollte.

1664 wurde die württembergische Pfandherrschaft durch Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg für 400000 Gulden eingelöst, nachdem schon einmal von 1636- 1649 die Pfandherrschaft unterbrochen wurde und 1638 sogar für kurze Zeit, nach der Eroberung der bischöflich- straßburgischen Residenzstadt Zabern, Bischof Leopold Wilhelm in Oberkirch residierte. Durch die Reunionskriege Ludwig XIV. (1661- 1715) und hier insbesondere durch den pfälzischen Erbfolgekrieg (1688- 1697) wurde das Renchtal nochmals blutiger Auseinandersetzungen.

1681 hat Ludwig XIV. die vormals freie Reichsstadt Straßburg dem französischen Reiche einverleibt. Er ließ damals zu diesem Ereignis eine Gedenkmünze prägen mit der Inschrift:  Clausa Germanis Gallia. Leider hat dieser Auspruch für das deutsch- französische Verhältnis während der nächsten Jahrhunderte bittere Bedeutung angenommen. Das Münster in Straßburg, hat nach der Reformation den Protestanten als Kirche diente, wurde durch Ludwig XIV. den Katholiken wieder zurückgeben. Am 20. Oktober 1681 hat Bischof Franz Egon von Fürstenberg von Zabern kommend, glanzvoll Einzug in seine Bischofsstadt Straßburg gehalten. Am nächsten Tag wurde das Münster den Katholiken während einer feierlichen Messe übergeben.

Der Habsburger, Kaiser Leopold I. (1658- 1705) hatte es noch nicht überwunden, dass sein Vetter und Schwager Ludwig XIV. ihm die freie Reichsstadt Straßburg weggenommen hatte.

Er hat sicherlich nicht zuletzt auch deswegen am 12. Juni 1689 dem auf französischer Seite stehenden damaligen Bischof von Straßburg Wilhelm Egon zu Fürstenberg (Bruder des Franz Egon), das Amt Oberkirch entzogen und es dem Markgrafen Ludwig I. Genannt Türkenlouis ( Markgraf von Baden-Baden 1677-1707), geschenkt.

Dies sollte eine Dankesbezeichnung des Kaisers an den Türkenlouis sein für seine Verdienste in den Türkenkriegen (seit 1682) und als Oberbefehlshaber der Reichsarmee (seit 1693) gegen die französischen Heere Ludwig XIV:

Durch diese ungeschickte Handlung des Kaisers provoziert, haben die Truppen Ludwig XIV. unter dem Stadtkommandanten von Straßburg am 10. September 1689 Oberkirch und das ganze Renchtal zerstört. Diese schlimme Heimsuchung des Renchtales spiegelte im Kleinen das wider, wie auf der einen Seite der Bourbone Ludwig XIV. und auf der anderen Seite der Habsburger Leopold I. beides Vettern und Schwäger, durch ihr Verhalten zu einem europäischen Schickal im 17. Jahrhundert geworden sind.

Ab 1697, Ende des pfälzischen Erbfolgekrieges wurden dann die Bischöfe wieder alleinige Besitzer des Renchtales.

Definition Fürstbischof:

Ein Fürstbischof war ein Bischof im Fürstenrang. Sein Stand war der eines Reichsfürsten des heiligen Römischen Reiches. Diese weltliche Herrscherfunktion von Bischöfen ging auf die Politik der frühmittelalterlichen deutschen Könige zurück. Sich zur Eindämmung des Einflusses mächtiger Fürstenfamilien auf die von ihnen ernannten Bischöfe zu stützen. Etliche dieser Bischöfe erhielten damals königliche Rechte (Regalien) verliehen. Im Zuge der Entwicklung von Territorialfürstentümern bauten auch diese Bischöfe ihre Herrschaftsgebiete zu weltlichen Territorien aus, die als Hochstift bezeichnet wurden.  


Aus dem Heimat- Buch

400 Jahre Kur Bad Griesbach- Peterstal“

von Dr. Bernhard Huber