Entstehung und Geschichte des Klosters Kniebis (#0003)

Entstehung und Geschichte des Klosters Kniebis

 

Wenn wir uns mit der Entstehungsgeschichte des Klosters befassen, müssen wir uns in die Zeit des 13. Jahrhunderts zurück versetzen.
Der Schwarzwald war zu jener Zeit kaum besiedelt, es gab nur kleine Orte und einzelne Höfe die sich im Schutz der Burgen und Klöster ansiedelten. Durch dieses urwaldähnliche, dunkle und besiedlungsfeindliche Gebiet führte ein einfacher Pfad von Ost nach West und war die einzigste Querverbindung im nördlichen Schwarzwald. Wenn wir ein Lineal auf eine Landkarte dieser Region legen, kann man unschwer erkennen, dass in gerader Linie der direkte und kürzeste Weg zwischen den Bistümer Rottenburg und Straßburg war. Sogar Fernreisende zwischen Wien und Paris benutzten diesen schmalen Fußpfad. Der Weg führte von Dornstetten, Aach, Wittlensweiler, Finkenberg, Kniebis und weiter über Oppenau bis Straßburg.

Nach dem Tod des letzten Stauferkaisers Friedrich II im Jahr 1250 waren die Wege im Südwesten sehr unsicher geworden. Während der Kaiserlosen Zeit gab es große Rivalitäten unter den einzelnen Grafen. Jeder versuchte sich auf Kosten des Stauferguts zu vergrößern.

Verschiedene Bischöfe, Grafen und Vögte baten mehrfach den Abt des Zisterzienser Klosters Herrenalb um 1250, einen geeigneten Mönch auf den Kniebis zu schicken, um den Reisenden und Pilgern mehr Schutz und Beistand zu geben.

Es ging bei der Entsendung eines Mönches auf den Wald (Kniebis) um geistlichen Beistand, das geschah im Zusammenhang mit der Kapelle, aber auch um leiblichen Schutz. Deshalb brauchte man eine Schutzhütte, dann ein Hospiz (Herberge). Der Herrenalber Abt suchte nach einem erfahrenen Mönch, der als Betreuer der Kapelle und Gastgeber der Reisenden tätig sein sollte. Die Wahl fiel auf „Bruder Ulrich“, der vermutlich wie sein Abt Konrad von Eberstein, aus dem Adel stammte.

Zisterzienser:  (französisch Citeaux, lat. Cistercium)
Zielsetzungen und Aufgaben waren Klostergründungen an unbewohnten Plätzen, in der Wildnis und vielfach im Sumpfland. In völliger Isolierung von der Welt soll sich das neue Kloster selbst versorgen und wirtschaftlich unabhängig sein. Ehelosigkeit, Verzicht auf Privatvermögen, absoluter Gehorsam gegenüber dem Abt und dem Papst auf Lebenszeit. Schweigepflicht, tägliche Handarbeit, das Essen einmal am Tag, höchstens zweimal, musste einfach sein, ohne Fett und ganz ohne Fleisch. Die Kleidung der Mönche bestand aus ungefärbtem Tuch, weshalb sie auch die „grauen Mönche“ genannt wurden. Auch die Kirche soll ganz einfach, ohne Glockenturm, nur mit einem Dachreiter für eine kleine Glocke versehen sein.

 

 

 Bau der Kapelle:  (Marien Kapelle)
 Der Zisterzienser Mönch „Bruder Ulrich“ aus Herrenalb, der die Kapelle betreute, war dem dortigen Zisterzienserkloster zugehörig. Der Kniebis gehörte damals zu Dornstetten, das im Besitz der Grafen von Fürstenberg war. Nach dem Tod des Mönches (1267) stritten Graf Heinrich von Urach und von Fürstenberg und das Kloster Herrenalb um die Besitzrechte an der Kapelle. Durch Vermittlung zweier gelehrter Mönche aus Sindelfingen und Meister Eberhard aus Horb kam es zu einem Vergleich. Abt und Konvent des Klosters von Herrenalb verzichteten gegen eine Abfindung auf alle Ansprüche aus dem Besitz der Kapellle.

In einer Urkunde vom 28. April 1267 wurde dieser Rechtsstreit niedergeschrieben und durch Zeugen beglaubigt. In dieser Urkunde taucht zum ersten Mal der Name Kniebis auf.
Noch im gleichen Jahr 1267 wurde die Kapelle selbstständige Pfarrkirche. Heinrich, Graf von Fürstenberg, bestätigt die vom Bischof von Konstanz am 12. November 1267 verfügte Trennung der Kapelle auf dem Kniebis von der Pfarrkirche St. Martin in Dornstetten.

Von dieser Zeit an erlangte die Einsiedelei großen Aufschwung. Es zogen weitere Mönche hinzu, und 1271 gründeten die „Brüder auf dem Walde“ ein Chorherrenstift (eine Gemeinschaft zur Abhaltung regelmäßiger Gottesdienste). Vier Jahre später, 1281, stand ein Hospiz im Klostergrund, eine von Mönchen betreute Herberge für Durchreisende. Graf Heinrich rief Franziskanermönche herbei und schenkte ihnen den ganzen großen Berg, damit sie ein Kloster an der Straße bauen sollten, dass die vorbeiziehenden Menschen und Tiere, Zuflucht und Herberge, Verunglückten, Matten (Schwachen) und Hungrigen Arznei und Labung fänden.

Von den Franziskaner Mönchen wurde dann das Kloster erstellt. Es bestand aus einer Kirche mit 3 Altären, dem Haus der Brüder, dem Hospiz, sowie den zugehörigen Stallgebäuden und war von einer schützenden Mauer umgeben. Im Jahr 1287 wurde der Bau vollendet und eingeweiht. Das Kloster erhielt von 1267 an Schenkungen und Stiftungen und durch geschickte Käufe verstanden sie es, den Klosterbesitz zu vergrößern. Auch sahen sich die Menschen nach Einnahmequellen um, damit sie ihren Unterhalt und die Beköstigung und Unterbringung der Reisenden und Pilger samt Tieren bestreiten konnten. Die Reichenbacher Höfe und ein Teil von Baiersbronn kamen in den Besitz des Klosters Kniebis. Bald gehörten ihm in allen an den Kniebis angrenzenden Tälern, im Rench,- Murg- und oberen Kinzigtal, in der Ortenau und bis ins hohenzollerische Gebiet insgesamt 52 Höfe. Außerdem besaßen sie allerlei Fischrechte im Forbach, Ellbachsee und anderen Gewässern.  
Das Franziskanerkloster Kniebis unterstellte sich 1341 freiwillig dem Kloster Alpirsbach. Damit wurden die Mönche Mitglieder des Benediktinerordens und das Kloster Kniebis ein Priorat von Alpirsbach, mit einem Prior und 7 Geistlichen. Das Kloster brannte zweimal ab. Nach dem ersten Brand im Jahre 1463 stellte Graf Eberhard von Württemberg,der damals die Schirmherrschaft über das Kloster hatte, einen Bettelbrief über 2 Jahre für sein Land aus.

1513 fünfzig Jahre später äscherte ein ungeheurer Brand sämtliche Gebäude ein. Nur unter größten Schwierigkeiten konnte das Kloster wieder aufgebaut werden.

1534 wenige Jahrzehnte später, wurde von Herzog Ulrich die Reformation in Württemberg eingeführt.

Der Prior und der Konvent des Klosters baten den Herzog, dass er ihnen (ihre guten Gebräuche, Freiheiten und Herkommen) belassen und beschützen möge, und dass sie sich auch fernerhin treu und gehorsam verhalten werden. Dem Prior wurde gestattet, zeit seines Lebens mit dem Kloster bei der katholischen Kirche zu verbleiben.

Nach seinem Tode 1544, wurde das Kloster aufgehoben und samt allen Besitzungen von Württemberg eingezogen.  
Das Hospiz wurde in eine Gastherberge umgewandelt, und der Gastmeister hatte zugleich den Auftrag, Zoll und Wegegeld zu erheben. Wegegeld wurde noch bis ins 20. Jahrhundert eingezogen. Das Zollhaus im „Hof“ stand noch, bis es im Dezember 1940 niederbrannte. 
Gastwirt und Zoller samt Familie und Gesinde waren lange Zeit die einzigen Bewohner des Kniebis in der Forbachsenke.
 
Erst 1708 zog ein Baiersbronner namens J.G. Haist als selbstständiger Ansiedler auf den Kniebis. Ab 1770 siedelten sich erste Kolonisten an, es waren Köhler und Holzhauer, die über den Sandwald, Langenhardt und Ochsenhardt Holzkohle für die Hüttenwerke in Christophstal herstellten. Die Gastherberge wurde beim ersten Franzoseneinfall im 30jährigen Krieg zerstört und wieder aufgebaut.

Am 1. und 2. April 1799 wurde die Klosterkirche erneut durch Franzosen ausgebrannt. Es geschah durch das Braten eines Ochsen am Spieß! Die noch stehende Giebelseite der Ruine zeigt Reste der Vorhalle mit romanischen Torbögen und spätgotischen Maßwerkfenstern. An der stelle des Hospizes entstand später ein Bauernhaus, heute ist es ein Wohnhaus. 

 

Kloster- und Heimatgeschichtsverein Kniebis

Hug Wolfgang

 

Benützte Literatur:

"Zu Kniebis auf dem Walde" Sonderdruck v. dr. Hans Rommel

"Dornstetter Heimatbuch" v.Johannes Wössner und Karl Bohn

"Willkommen bei Bruder Ulrich auf dem Walde" v. W. Bidermann 

 

 

 

 

 

 

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