Der Gesangsverein Kniebis 1923-1983 (#0005)

Gesangverein  Kniebis Zwischen 1923 und 1983

 

1923    Es waren Männer vom badischen und württembergischen Kniebis, die sich im Jahre 1923 zusammenfanden, um einen Gesangverein zu gründen. Als die treibenden Kräfte für das Zustandekommen dieses Vorhabens sind nach Äußerungen noch lebender Gründungsmitglieder „Altschanzwirt“ August Gaiser und der seinerzeitige Volksschullehrer am badischen Kniebis, Hermann Hugenschmid, anzusehen. Auf Einladung dieser beiden Initiatoren fand am
28. Februar 1923 im Schulhaus auf dem württembergischen Kniebis die Gründungsversammlung des Vereins statt. Neben einer stattlichen Anzahl von Männern aller drei Ortsteile war damals auch Bürgermeister Berger aus Baiersbronn zum Gründungsakt erschienen. Zum ersten Vorsitzenden des neuen Vereins, der sich „Männergesangverein Kniebis“ nannte, wurde Kaufmann Albert Klaissle sen., zu seinem Stellvertreter Albert Haist, unser heutiger Ehrenvorstand, gewählt. Als Schriftführer wurde Karl Braun sen. und als Kassierer Ernst Epting berufen. Der Schulsaal, Ort der Gründung, sollte künftig als Übungslokal dienen. Der Verein zählte zu Beginn seines Bestehens 24 aktive Sänger und schloss sich dem Kniebis- Sängergau an. Im Chor der Anfangszeit wurde mit Ernst und Fleiß gesungen, so dass schon bald Sängerfeste und Fahnenweihen der Nachbarverein im württembergischen Umland und im angrenzenden Badnerland besucht werden konnten. Dabei wurden ansehnliche Ehrenpreise errungen.


1928    Das Jahr 1928 brachte dann den ersten Einschnitt im Leben des jungen Vereins.Durch die Versetzung von Lehrer Hugenschmid war die Dirigentenstelle des Vereins vakant geworden. Doch mit dem alsbaldigen Aufzug eines Nachfolgers im Schuldienst erwuchs im Hauptlehrer „Eiermann“ auch dem Verein ein neuer Chorleiter.


1929    Im Jahr 1929 fand dann die erste Fahnenweihe statt. Erwähnenswert bleibt der Anspruchsvolle Wahlspruch jenes Banners, den sich die Sänger vom Kniebis in ihrem Idealismus für das Lied selbst gaben. Er lautet:
                            „Vorwärts streben, niemals müde  wie im Leben, so im Lied!“

Als Partnerverein wirkte an jenem ersten Höhepunkt des Vereins der Liederkranz Friedrichstal mit. In gleicher Zeit trat auch der erste Vorsitzende des Vereins, Albert Klaissle sen., von seinem Amt zurück. Für seine Verdienste  um den Verein wurde er zum Ehrenvorstand ernannt. Die Generalversammlung des Jahres 1929 legte jetzt die Leitung in die Hände von Albert Haist. Unter dessen kluger Führung und unter der Chorleitung vom Hauptlehrer Eiermann entwickelte sich der Männergesangverein zu einem beachtlichen Element im Dorfleben der Dreißiger Jahre. Die Sänger „rekrutierten“ sich aus allen Ortsteilen, eine Grenze schien nicht zu existieren. Sie waren die ersten Vorläufer für einen einigen Kniebis. Auf dieses Phänomen des Wunsches nach Herstellung der Einheit im Dorf Kniebis werden wir bei der Betrachtung der Geschichte dieses Vereins noch mehrmals stoßen.

1934    Das Jahr brachte den zweiten Dirigentenwechsel. Nach dem Wegzug von Hauptlehrer Eiermann übertrug man wiederum dessen Nachfolger, Oberlehrer Ernst Mader, das Amt des Dirigenten.

1937    Kam jedes Vereinsleben zum Erliegen. Die bald darauf sich anschließenden Kriegsjahre setzten diesen Zustand zwangsläufig fort. Der Großteil der Vereinsmitglieder wurde Soldat. Und mancher der Sänger, der lebensfroh ausgezogen war, durfte nicht mehr auf seinen geliebten Kniebis zurückkehren. Ihrer wird an anderer Stelle dieser Festschrift noch besonders zu gedenken sein. Auch die 1929 geweihte Fahne des Vereins fiel den Wirrnissen der letzten Kriegstage zum Opfer und mit ihr das gesamte Notenmaterial, Ehrenpreise sowie alle schriftlichen Unterlagen und Belege seit der Gründerzeit. Durch Dekret der Militärregierung war im ersten Jahr der Besatzung jede Vereinstätigkeit untersagt. Auch die Freude am Gesang war in jenen düsteren, nahezu hoffnungslosen Tagen nach Kriegsende weitgehend durch den Kampf ums Dasein in den Hindergrund gedrängt, am Kniebis nicht anders als sonst irgendwo. So dauerte es bis zum Frühjahr 1948- die Besatzung hatte inzwischen ihr Vereinsverbot aufgehoben- bis unter den heimgekehrten Sängern erste Kontakte zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit sattfanden.
Impulse hierzu gingen vor allem von Otto Schmid (Moosbauer) und Vorkriegs-Vorstand Albert Haist aus.

1948    Es ist mit ein Verdienst dieser beiden, dass an einem Sonntag im August des Jahres 1948 im Gasthaus Ochsen ein neuer Anfang gemacht werden konnte.

Albert Haist, der für die Führungsposition des Vereins nicht selbst kandidieren konnte, übernahm das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Zum ersten Vorsitzenden des Vereins nach dem Kriege wurde Sängerkamerad Emil Decker vom Rippoldsauer Kniebis gekürt. Zum Schriftführer wurde Otto Schmid (Moos) und zum Kassierer Robert Gaiser bestellt. Als Dirigent konnte Oberlehrer Emil Eberhardt von der badischen Volksschule Kniebis gewonnen werden. In den Ausschuss wurden die Gründungsmitglieder Emil Haist und Friedrich Epting gewählt. Der Männerchor umfasste bei Wiederbeginn der Singproben 23 Aktive. Er war wieder lebensfähig.
Die inzwischen vollzogene Währungsreform hatte dem Verein sein noch verbliebenes Vermögen zwar stark reduziert, aber sie legte gleichsam auch den Grund für eine weitere Normalisierung der Verhältnisse in vielen Lebensbereichen der Menschen. Schwarze Märkte verschwanden. Man konnte für Geld wieder kaufen. Das Leben schien lebenswerter zu werden. Auf dem Kniebis erschienen wieder, wenn auch spärlich zunächst, Kurgäste. Unter all diesen neuen Zeichen kehrten Selbstsicherheit, Leistungswillen und auch die Freude an musischen Werten ins Bewustsein der Bevölkerung, auch der Kniebis zurück.

Am 1. November 1948 wurde im alten Übungslokal (Schulsaal) unter dem neuen Chorleiter Eberhardt die erste Singprobe nach dem Krieg gehalten.26 Sänger nahmen daran teil. An die Stelle der nicht heimgekehrten waren junge Sänger nachgerückt. Nach zweijähriger Vorstandstätigkeit, ausgeübt durch Emil Decker, durfte nach der Generalversammlung am 1. April 1950 Albert Haist das angestammte Amt des ersten Vorsitzenden wieder übernehmen. Emil Decker übte das Amt des „Zweiten“ aus. Dank der zielstrebigen Arbeit von Dirigent und Vorstandschaft erreichte der Chor ein beachtliches Können, das er auf internen Veranstaltungen im Dorf, aber auch außerhalb immer wieder unter Beweis stellte und das viel Beachtung fand.

1953    Am 28. Februar 1953 konnte der Verein seinen 30. Geburtstag begehen. In Kleinem Rahmen und unter Anwesenheit von Ehrenvorstand Klaiße konnten nach einer Singstunde die noch verbliebenen Getreuen der ersten Stunde:
Albert Haist, Emil Haist, Ernst und Fritz Epting mit der Ehrennadel des Schwäbischen Sängerbundes für 30. jährige aktive Sängertätigkeit ausgezeichnet werden. Auch der damalige Chorleiter, E. Eberhardt, war unter den Ausgezeichneten. Einen weiteren Markstein in der Geschichte des Männer-
gesangvereins Kniebis stellt das Fest der zweiten Fahnenweihe am 21. und 22. Juni 1953 dar. Das gut vorbereitete Fest wurde leider während der Hauptveranstaltung, am Nachmittag durch anhaltende Regenfälle gestört, doch trotzdem ist es den Kniebisern noch heute in bester Erinnerung. Ein ansprechendes und würdiges Programm, das am Morgen des 21. Juni 1953 mit dem Wecken durch den Posaunenchor Kniebis begann, wartet auf Sänger und Gäste. Um 9,00 Uhr folgte ein Festgottesdienst mit anschließender, schlichter Gefallenenehrung. Der Nachmittag brachte dann den großen Festzug und Mitwirkung aller Ortsteile, begleitet von drei Musikkapellen und 15 Gastvereinen. „Bravo, Ihr Kniebiser! Dieser Euer Festzug war der beste Zeuge Eures Zusammengehörigkeitsgefühl“, schrieb damals dasBaiersbronner Nachrichtenblatt. Der Clou dieses Festzuges war die Darstellung einer Trachten-
hochzeit durch Bürger vom badischen Ortsteil. Auf den Festzug folgte der Festakt auf dem Festplatz oberhalb dem Gasthof Ochsen. Gäupräsident Höhler,

Friedrichstal, nahm die Fahnenweihe vor. In seiner Rede wies er auf das Lied, als eines der edelsten Güter der Menschheit hin. Auch der damalige Landrat Hesselbarth hielt eine tiefempfundene Ansprache. Seine Hinweise, das Lied würde über Grenzen und Länder hinweg Menschen verbinden, ließe die Hoffnung zu, dass, wie die drei OrtsteileKniebis sich im Gesang zusammengeschlossen hätten, vielleicht später die geteilte Gemeinde politisch eine Einheit werden“. Die Presse berichtet über diese Rede weiter: „ Reicher, spontaner Beifall zeigte, dass der Landrat den Kniebisern aus dem Herzen gesprochen habe!“ Es scheint also schon immer die heimliche Sehnsucht der Kniebiser gewesen zu sein, zu einer Einheit für ihr Dorf zu finden. Der Weiheakt wurde umrahmt von der Werkskapelle Friedrichstal und den Gemeinschaftschören der Gastvereine unter Leitung von Gauchormeister Bregenzer. Die neue Fahne hatte, wohl in Erinnerung an vergangene gute und schwere Zeiten, auch einen neuen Wahlspruch erhalten: „ In Freud und Leid- zum Lied bereit!“ lautete das Motto jetzt.

Der Tag klang aus mit der Ehrung aktiver und passiver Mitglieder im Gasthof Ochsen. Dieses große Fest hatte zunächst seine Ausstrahlung nicht verfehlt. Der Verein erreichte mit einer Sängerzahl von 40 Mann einen einmaligen Höchststand. Am 12. Juli 1953 nahm man am Gauliederfest in Freudenstadt am Wertungssingen teil. Für den Vortrag des Liedes „Im Garten“ erhielten der Männerchor die Note „gut“ zuerkannt. Dieses gute Abschneiden hob das Selbstbewusstsein des Chorleiters und der Sänger und beflügelte sie zu neuen Taten.
Aber wie im Leben, so erfolgte nach der Höhenwanderung ein Abstieg. Wirtschaftlicher Aufschwung, verbunden mit der beginnenden Motorisierung, das aufkommende Fernsehen und dergleichen mehr trugen dazu bei, dass die Singstunde zum lästigen „Muß“ für manchen wurde. Es begann zu kriseln, der Singstundenbesuch ließ nach.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1954   In den Sommermonaten 1955 musste sich der bewährte und langjährige
Dirigent E. Eberhardt nach einer Mandeloperation erneut in ärztliche Behandlung begeben, um am 3. September 1955 dann ganz von seinem Amt zurückzutreten.Ein Glück für den Verein, dass in dieser Zeit auf der württemb. Seite ebenfalls eine Lehrkraft mit musischer Neigung und auch Ausbildung die Schule leitete. So übernahm, ein Novum in der Geschichte des Vereins bis dato, der württemb. Hauptschullehrer Max Gutbrod den Männerchor. Der Chronist hält, Max Gutbrod möge ihm das verzeihen, neben seinen Verdiensten als Chorleiter auch seine herausragenden Körpermaße für wert, dass sie im Rahmen der Vereinsgeschichte festgehalten werden. Er war 2,06 Meter groß, ein Hüne von Gestalt! Ohne Podest konnte er seine Sängerschar bis zur letzten Stimme überblicken.

Vielleicht erkannte er aus seiner Sicht auch als Erster, dass das Häuflein immer kleiner wurde. Seine Anregung zur Gründung eines Frauenchors kam deshalb gerade zur rechten Zeit. In das Jahr 1955 fällt ebenfalls die erstmalige Mitwirkung an der Durchführung eines Kurkonzertes. Wenn solches heute schon zu den normalen Pflichtübungen des Chores zählt, ist die Tatsache es trotzdem wert, schriftlich belegt zu werden. Dieses erste Kurkonzert fand am 24. August 1955 auf dem Platz bei der evangelischen Kirche statt. Es wirkten neben dem Männerchor erstmals der neugebildete Frauenchor und die Werkskapelle Friedrichstal mit. Die Frauen sangen vier Titel: „Im Wald da wachsen die Beeren“, „Was macht der Fuhrmann“, „Ich wollte im Bäumlein steigen“, und „Die beste Zeit im Jahr ist Maien“. Der Männerchor gab: „ Durch Wiesatal gang i jetzt na“ und  „Ach du klarblauer Himmel“ zum besten.
Beim Durchlesen der Vereinsprotokolle ab 1950 fällt eine Tatsache besonders auf: Die Präsenz des ersten Vorsitzenden Albert Haist und die des Schriftführers Otto Schmid. Wenn man hierzu noch die alten „Kämpfer“  Emil Haist und Fritz Epting, stellvertretend für alle, zählt, die durch ihre persönliche Bereitschaft dem Verein ebenfalls in allen Schwankungen die Treue gehalten haben, so kann hierin mit der Grund für die stetige Funktionsfähigkeit des MGV Kniebis gesehen werden. Auch der Frauenchor, zeitweilig 34 Stimmen zählend, hat Ausgang der Fünfziger Jahre stabilisierend gewirkt. Vor allem halfen die Frauen den Aderlaß mit überwinden, der 1962 nach Gründung eines Musikvereins den Männerchor durch die Abwanderung guter aktiver Sänger besonders hart traf.

1961 zählte der Männerchor noch 22 Stimmen. Diese Zahl schrumpfte nach Gründung der Blaskapelle auf 17 Stimmen zusammen. Ab diesem Zeitpunkt konnte nur noch gemischt gesungen werden. 1961 erfolgte ein weiterer Dirigentenwechsel. Max Gutbrod verließ den Kniebis, um in Calw eine Rektorstelle anzutreten. Die Chorarbeit übernahm nach seinem Wegzug Hauptlehrer Lörcher, der inzwischen an der Volksschule auf dem württemb. Kniebis tätig war.Herr Lörcher war ein musikbegabter, junger Mann, der das Zeug hatte für die Leitung eines Chores in musikalischer Hinsicht, leider aber nicht die rechte menschliche Einstellung zu Sängerinnen und Sänger fand. In seine Dirigentenzeit fiel mit der Feier des 40 jährigen Jubiläums ein weiterer Höhepunkt im Vereinsleben.

Auf den 19. Mai 1963 hatte der Männergesangverein Kniebis- er war ja nu eigentlich keiner mehr- seine Mitglieder, Gönner und Patenvereine Baiersbronn und Friedrichstal ins Kurhotel Kniebis- Lamm eingeladen. Nach eingeleitenden Liedern, die der gemischte Chor vortrug, und Ansprachen des Vorstandes Albert Haist, von Gaupräsident Dürr und den Oberhäuptern der drei Muttergemeinden, erfreuten der Patenverein Baiersbronn unter seinem Chormeister Hehl und sein Streichquartett aus Nagold die Festversammlung.

Für die Treue zum Lied konnten folgende Sänger die Ehrennadel für 40 jährige aktive Tätigkeit aus der Hand des Gäupräsidenten entgegennehmen; Frau Dummler, Albert Haist, Emil Haist und Fritz Epting. Für 25 jährige Mitarbeit wurde der langjährige Schriftführer Otto Schmid ausgezeichnet. Als erfreulich konnte an diesem Festtag die Anwesenheit vieler einstiger Gründungsmitglieder gewertet werden.  Bemerkenswert auch die erstmalige Mitwirkung des neuerstandenen Musikvereins an der Ausgestaltung des Programms. Die Zeit nach diesem Jubiläum war für den Verein zunächst eine dirigentenlose Zeit. Hauptlehrer Lörcher war schon nach kurzem  Dienst auf dem Kniebis nach Nagold versetzt worden. Die für aufgezogenen Junglehrer Hollmann und Zimmermann besaßen nicht die erforderlichen Ausbildung noch Erfahrung für die Leitung eines Gesangvereines. Aber sie wagten trotzdem den Versuch und es ist den Beiden gemeinsam zu danken, dass im ersten Halbjahr 1964 Singstunden abgehalten werden konnten. Auch ihre spätere Mitwirkung als Sänger bedeutete eine wesentliche Verstärkung des Chores.

1964    Am 30. Juni 1964 konnte dann Hauptlehrer Gerhard Wenzel, nun wieder von Badischen Seite als Dirigent gewonnen werden. Seine Anstellung leitete über zu einer kontinuierlichen Entwicklung der chorischen Arbeit im Verein bis in die heutige Zeit. Auch der Verein selbst machte eine Zeit der Konsolidierung durch. Lücken die sich auftaten, konnten dank des Zusammenhalts immer wieder geschlossen werden. Der Großteil seiner aktiven Sänger und Sängerinnen wurde von Ehepaaren gebildet, die nun gemeinsam die Singstunden besuchten und die auch gemeinsam nach den Singstunden noch ein Gläschen tranken. Man wuchs zu einer Familie zusammen.

1969    Die Generalversammlung am 23. März 1969 brachte dann in der Führung desVereins die vom bisherigen Vorsitzenden Albert Haist selbst angestrebte Wach- ablösung. Albert Haist, der nahezu ein Menschenalter das kulturelle und gesellschaftliche Leben des Dorfes mitbestimmt hatte, trat zurück, um, wie er sagte,„der Jugend Platz zu machen“. Zu seinem Nachfolger wurde Sängerkamerad Gustav Haist mit überwältigender Mehrheit gewählt. Von der dynamischen Persönlichkeit dieses neuen Vorsitzenden, der dem Verein schon lange Jahre als aktiver Sänger angehörte, konnten die Mitglieder neue Impulse erwarten

Schon die ersten Veranstaltungen am 14. Mai 1969 gestaltete er mit Einfühlungsvermögen zu einer eindrucksvollen Feierstunde für seinen verdienstvollen Vorgänger. „Ein Mann, der 40 Jahre lang als Vorsitzender verantwortlich für den Verein gewirkt und sich 40 Jahre für den Chorgesang eingesetzt habe, der müsse ein großer Idealist sein!“ So sagte er der Festversammlung in seiner Begrüßungsansprache. In Würdigung dieser Verdienste wurde Albert Haist zum Ehrenvorstand ernannt. Gaupräsident Dürr konnte ihm im Auftrag des Schwäbischen Sängerbundes die Silberplakette ver-
liehen. Auch die Herren Bürgermeister der Muttergemeinden zählten neben den Sängerinnen und Sängern zu den Gratulanten.

Mit dieser Veranstaltung schloss zunächst die Reihe markanter Ereignisse im Vereinsleben. Das nächste Jahrzehnt bis heute brachte dem Verein eine Phase ruhiger Weiterentwicklung und zielstrebiger Arbeit im gemischten Chor. Gute Benotungen beim Wertungssingen aus Anlass des Gauliederfestes in Baiersbronn und beim Vereinsjubiläum des MGV Tonbach unterstreichen diese Feststellung des Chronisten.

Erwähnenswert für diesen letzten Zeitraum in der Geschichte des Vereins bleiben auch seine Engagement an den traditionellen Dorfabenden, seine aktive Teilnahme an Trauerfeiern, die Bereicherung der Gottesdienste durch Gesangs-
beiträge sowie die jährliche Ausrichtung einer Altenfeier. Die obligatorischen Singstunden gehören hier ebenso dazu wie die anschließenden Stunden beim gemeinschaftlichen Umtrunk.

1977    Mussten wir von unserem Vorsitzenden Gustav Haist für immer Abschied  nehmen. Nach kurzer schwerer Krankheit, bis zur letzten Stunde um seine Sängerschar besorgt, verstarb er im Oktober 1977 . Da er seit der Eingemeindung 1975 zu Freudenstadt auch Ortsvorsteher war, kannte er die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen und half, soweit es in seiner Macht stand, jedem, der ihn um Hilfe bat. Er hinterließ im Ort und im Verein eine schwer zu schließende Lücke. Zum neuen Vorsitzenden wurde Oskar Maichele gewählt, der es bis zuletzt innehatte.

1983    Feierte der Verein sein 60 jähriges Bestehen. Nicht so aufwendig wie 1973 als das 50 jährige Jubiläum, jedoch genauso freudig und voller Gesang. Was sich in den vergangenen 10 Jahren an Freud und Leid in der Vereinsgeschichte ergeben hat, sei hier ergänzt. Der Verein hatte heuer 43 aktive Sängerinnen und Sänger. In der Zwischenzeit nahm der Verein an verschiedenen Gauchorfesten teil und brachte es unter der bewährten Leitung seines Dirigenten Gerhard Wenzel zu beachtlichen Erfolgen. Leider legte nach dem Gauchorfest 1981 in Baiersbronn Herr Gerhard Wenzel sein Amt als Dirigent nieder. Ihm folgte nach langer, ergebnisloser Suche Herr Alfons Hehl aus Baiersbronn , vielen auch außerhalb unseres Kreises bekannt. Unter seinem strengen Regiment hat der Chor nicht nur an Stimmgewaltigkeit, sondern auch an aktiven Mitgliedern gewonnen. Wir hoffen, er bleibt uns trotz seines Alters in seiner jugendlichen Frische lange erhalten. Es liegt vielleicht an der Höhenluft des inzwischen zum Höhenluftkurort ernannten Kniebis oder aber doch wieder an der Geselligkeit, die auch heute wie vor 10 Jahren hauptsächlich im Anschluss an die Singstunden gepflegt wird, dass Herr Hehl sich bei uns besonders wohl fühlt, wie er selbst immer wieder betont.

Möge der Verein noch lange zusammenhalten und viele Jubiläen überstehen, das ist auch heute wieder der Wunsch der vielen aktiven Sängerinnen und Sänger des Gesangvereins Kniebis. Mit Stolz darf der Jubelverein heute zurückblicken auf seine Leistungen in kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht und last not least auch auf gemeindepolitischem Gebiet. Er hat das darf man wohl behaupten, Spuren im Dorf Kniebis hinterlassen. Die WertSchätzung, derer er sich in weiten Kreisen der Bevölkerung aller Ortsteile erfreuen darf, wird ihm auch in der Zukunft zum Ansporn dienen, seine Kräfte einzusetzen für das Lied und für die Forderung eines Gemeinschaftsgefühls, das alle Kniebiser umfasst.

Aus der Festschrift zum 60 jährigen Jubiläum von
Hermann Kemmler         

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