Grenzweg - Grenzzeichen - Grenzstein

Grenzweg    Grenzzeichen    Grenzsteine

Von   Max  Scheifele

Vom  oberen  Zwieselberg  über  den  Kniebis  zur  Zuflucht
Zwischen  der  Siedlung  oberer  Zwieselberg  und  der  Alexanderschanze  verläuft  die  ehemalige  Grenze  zwieschen  Fürstenberg  und  Württemberg,  ab  der  auf  dem  Bergrücken  des  Kniebis  gelegenen  Alexanderschanze,  die  zwischen  Bistum  Strassburg  und  Württemberg.  Die  fürstenbergischen  und  strassburgischen  Gebiete  fielen  1806  an  Baden.  Vom  Oberzwieselberg  bis  zur  ehemaligen  Ortschaft  badisch  Kniebis  verläuft  längs  der  ehemaligen  Grenze  ein  Wanderweg ,  der  Grenzweg.  Vom  badischen  Ort  Kniebis  bis  zur  Alexanderschanze  zieht  die  Grenze  südlich  der  Bundesstrasse  B28  im  Wald,  um  dann  zur  Zuflucht  weiterzuführen.


Die  Orte  Oberzwieselberg  und  Kniebis  sind  im  17.  und  18.  Jahrhundert  entstanden,  als  hier  Holzhauer,  Köhler  und  Harzer  als  Kolonisten  angesiedelt  wurden.  Die  Bewohner  von  Oberzwieselberg  sollen  aus  Tirol  stammen.,  die  vom  Kloster  Rippoldsau  für  den  Pfaffenwald  angeworben  und  am  Zwieselberg  nach  1696  angesiedelt  wurden.  Da  sie  zum  Kloster  Rippoldsau  zählten,  waren  sie  früher  katholisch.  In  der  Oberamtsbeschreibung  von  Freudenstadt  heißt  es  noch  1858 ,  dass  Zwieselberg  der  einzige  Ort  des  Bezirkes  sei,  dessen  Bewohner  der  katholischen  Konfession  angehören  und  in  das  kath.  Pfarrdorf  Rippoldsau  eingepfarrt  seien.  Daher  glichen  sie  in  SitteTracht  und  Mundart  mehr  den  Badensern  als  den  übrigen  Bewohnern  des  Bezirkes.  Seit  1926  ist  Zwieselberg  nach  Freudenstatd  eingemeindet.  Der  Name  Zwieselberg  ist  wohl  aus  dem  mittelhochdeutschen  Zwiesel  abzuleiten,  das  Astgabel  bedeutet,  aber  worunter  auch  Land  zwischen  einer  Fluss-oder  Bachgabelung  zu  verstehen  ist.  Die  Bezeichnung  galt  daher  ursprünglich  wohl  nur  für  den  Unterzwieselberger  Bergvorsprung  zwischen  kleiner  Kinzig  und  Teufelsbächle.  Auf  dem  Kniebis  ging  noch  bis  1952  die  badisch-württembergische  Landesgrenze  mitten  durch  die  zerstreut  liegenden  Häuser  und  teilte  den  Ort  in  einen  badischen  württembergischen  Kniebis.  Zu  unterscheiden  ist  er  von  dem  nordöstlich  gelegenen  Hauptort  Kniebis,  früher  der  unter  Kniebis  genannt,  mit  der  im  13. Jahrhundert  erbauten  Kapelle  und  dem  Kloster.  Die  fürstenbergische  Verwaltung  siedelt  auf  ihrer  Seite  des  Kniebis  1780  eine  Holzhauerkolonie  an,  die  1814  bereits  29  Familien  zählt.  1838  gibt  es  hier  42  Holzhauer-und  Köhlerfamilien.  Die  Siedlung  wird  1824  selbständige  Gemeinde,  die  wegen  den  schwierigen  Lebensverhältnissen  mit  zu  den  ärmsten  Gemeinden  Badens  gehörte.  So  wanderten  zwischen  1851-1857  allein  145  Bewohner  des  badischen  Kniebis   nach  Amerika  aus.  Der  badische  Kniebis  wird  1938  nach  Rippoldsau  eingemeindet,  ist  aber  heute  ein  Ortsteil  von  Freudenstadt.


Der  beiderseits  von  Oberzwieselberg  östlich  der ehemaligen  Grenze  gelegene  284  Hektar  große  Wald  gehört  dem  kath.  Kirchenfonds  in  Bad  Rippoldsau.  Er  breitet  sich  weit  auf  das  ehemalige  württembergische  Territorium  bis  hin  zu  der  Kleinen  Kinzig  aus.Dieser  Distrikt  Kohlwald  ist  ein  Kuriosum,  weil  nämlich  eine  ehemals  badische  Kirchengemeinde  auf  dem einst  württembergischen  Gebiet  einen  so  großen  Wald  besitzt.  In  der  örtlichen  Bevölkerung  heißt  er  deshalb  Pfaffeneck.  Wie  ist  nun  die  Rippoldsauer  Kirche  zu  diesem  Wald  gekommen?  Darüber  gibt  ein  Tauschvertrag  von  1486  Auskunft,  den  Freiherr  Gangolff  von  Hohengeroldseck,  der  letzte  Inhaber  der  Herrschaften  Loßburg  und  Schenkenzell,  mit  Hermann  Wolkast  Prior  von  Rippoldsau  nach  Bewilligung  des  Grafen  von  Fürstenberg,  seinem  Oberherren,  geschlossen  hat.  

Danach  übergibt  der  Prior  an  Gangolff  Wälder,  Güter,  Gerechtigkeiten  usw.  in  Schapbach.  Dafür  überträgt  Gangolff  dem  Prior  alle  Wunn  und  Wälder,  die  wir  gehabt  haben  ob  der  Staig  zu  Rypolzowe,  die  sich  bis  an  das  ,,Dürr  Küntziglin ,, und  bis  an  die  ,,Berneck,,  erstrecken.  Der  eingetauschte  Wald  gehört  nun  seit  mehr  als  500 Jahren  zum  Rippoldsauer  Kirchenvermögen.  Anfangs  betrachtet  der  Prior  die  dort  wohnenden  als  seine  Untertanen,  während  das  Klosteramt   Alpirsbach  und  später  Württemberg  die  Oberhoheit  beanspruchen  und  die  Bewohner  huldigen  bzw.  vereidigen  lassen.  Um  1500  hatten  nämlich  die  Herren  von  Geroldseck  die  Gemarkung  Reinerzau,  auf  der  Zwieselberg  liegt,  an  das  unter  württembergischer  Schutzvogtei  stehende  Kloster  Alpirsbach  verkauft.
Vom  Weiler  Kniebis  bis  zur  Zuflucht  verläuft  der  uralte, in  Krieg  und  Frieden  gleich  bedeutende  Fernweg  von  Schwaben  in   das  Rheintal , der  hier  die  Schwarzwaldbarriere  überwindet.  Der  im  Mittelalter  stark  benutzte  Handelsweg  führte  von  Augsburg  über  
Ulm,  Tübingen,  Dornstetten  und  das  Renchtal  weiter  nach  Straßburg  und  war  ein  wichtiger  Abschnitt  im  kürzesten  Straßenzug  von  Paris  nach  Wien.  Er  gab  auch  mit Anlass  für  die  Gründung  des  Klosters  Kniebis  mit  Hospiz,  das  hautsächlich  für die  geistlichen  und  leiblichen   Bedürfnisse  der  ,,dort  durchreisenden  Armen,, errichtet worden   ist.  So  berichtet  1534 der  Prior  des  Klosters  über  die  ,,unzählbaren  Straßenwandelnden  zu  Fuß  und  zu  Roß,,  die  alljährlich  über  den  Pass  zogen.  Das  Priorat  wird  1535 aufgehoben , das  Hospiz  aber  als  Gastmeisterei  weitergeführt. Im  Wald  südlich  der  Alexanderschanze  ist  der  Weg  streckenweise  noch  als  Hohlweg  ausgebildet,  zum  Teil  sind  auch  Wagengeleise  ( Spurweite 1,1 m )  in  die  Bundsandsteinfelsen  eingeschliffen.  Herzog  Friedrich 1.  lässt  1605/1606 die  Straße  über  die  moorige  Hochfläche  am  Kniebis  durch  einen  Knüppeldamm  verbessern,  den  Oettinger in  seiner  Karte  von 1609 des  Baiersbronner  und  Reichenbacher  Forstes  durch  quer  über  die  Straße  aneinander  verlegte  Baumstämme  angedeutet  hat. Der Bergrücken Kniebis heißt 1267 ,,Kniebuz ``. Schreibweisen des Namens sind auch ,,Kniebuoz``,  ,,Kniebuos`` und ,,Knieboss``. Wahrscheinlich ist das Wort von Knie und ,, boßen``= anstoßen abzuleiten, was Knieanstoßer oder Kniebrecher bedeutet. Damit soll wohl an die gefürchtete steile Strecke von Oppenau zur Zuflucht, die ,, Oppenauer Steige``, erinnert werden.


Zur Sicherung und Verteidigung der Schwarzwaldübergänge hat man schon immer zahlreiche Verteidigungsanlagen, vor allem Schanzen und Redouten, errichtet. Unter Herzog Carl Alexander von Württemberg (1733-1737) wurde 1734/1735 auf den Höhen des Schwarzwaldes, von Neuenbürg bis Hornberg, als Fortifikationslinie gegen die Franzosen die so genannte ,,Schwarzwaldlinie`` oder der ,,Hölzerne Rhein`` angelegt. Da der Kniebis einer der wichtigsten Schwarzwaldübergänge und damit von strategischer Bede utung war, ließ der Herzog zur Verteidigung des 968 Meter hohen Passes 1734 die nach ihm benannte ,, Alexanderschanze`` aufwerfen. Bei der Zuflucht befinden sich noch zwei weitere Verteidigungsanlagen, dir Schwaben- und die Schwedenschanze.Die südlich der Jugendherberge Zuflucht gelegene Schwedenschanze wurde vermutlich 1632/1634 aufgeworfen und bestand aus einem Viereck mit Bollwerken für 400-500 Mann Besatzung. Die nordwestlich der Jugendherberge befindliche Schwaben-oder Röschenschanze wurde 1796 unter Leitung des würtemb. Major Rösch angelegt. Es war eine regelmäßige Sternschanze mit Bollwerken und Wassergräben, die etwa 1400 Mann und 12 Kanonen aufnehmen konnte. Sie wurde 1796 von den Franzosen erstürmt. Bei den Kämpfen brannte in Kniebis die Klosterkirche aus und liegt seither in Trümmern.

Abschnitt  Oberer  Zwieselberg- Kniebis
Wir  beginnen  unsere  Grenzbegehung  im  Oberen  Zwieselberg  beim  nördlich  der  Freudenstädter  Straße  befindlichen  Wasserbehälter. Auf  der  ersten  Strecke  des  nordwestlich  verlaufenden  Grenzweges  finden  sich  sechs  Steine, die  im  als das 19. Jahrh. gesetzt  wurden  und  forstgeschichtlich  ohne  Interesse  sind. Etwa  700 Meter  vom  Wasserbehälter  entfernt  steht  beim  Zwieselberger  Eck  als  siebter  Stein der Grenzstein Nr. 255, ein stattlicher, etwa 95 Zentimeter hoher Stein, der 1669 gesetzt wurde. Daneben befindet sich eine Erläuterungstafel sowie der kleine Stein eines trigonometrischen Punktes. Ein fähiger Steinmetz hat diese markante, künstlerisch wertvolle Grenzzeichen   geschaffen, das auch als ,,Herrlichkeitsstein“ oder ,,Hoher Stein“ bekannt ist. Seine Westseite zeigt oben die Buchstaben M-F-G-Z-F, die für Maximilian Franz Graf zu Fürstenberg stehen.


Darunter kommt der badische Schilt mit dem Schrägbalgen. Das fürstenbergische Wappen wurde, als das Gebiet an Baden fiel, säuberlich ausgehauen, nur die Wolkenumrandung des Wappens verrät noch den alten Schild. Die Rückseite zeigt oben die Initialen E-H-Z-W, den Namen von Herzog Eberhard III. zu Württemberg (1633-1674). Der Volksmund hat aber diese Buchstaben anders übersetzt, nämlich:,, Er Hat Zwei Weiber“! Darunter ist der bekannte Schild von Württemberg kunstvoll eingemeißelt, gefolgt von der Jahreszahl 1669. Der Schild zeigt heraldisch oben rechts die drei württembergischen Hirschstangen, oben links die Rauten von Teck. Darunter folgt unten rechts die Reichssturmfahne mit dem Adler. Sie versinnbildlicht das Recht des ,,Vortritts“ der Schwaben und das dem Haus Württemberg seit dem 14. Jahrh. zustehende ,,Reichs-Banner-Amt.“ Unter Vortritt ist die hohe Ehre des Vorstreiters gemeint, nämlich im Reichsheer die vorderste Reihe zu bilden. Unten links folgen die Fische (Barben ) der Grafschaft Mömpelgard. An der nördlichen Schmalseite wurde, wohl um alle Zweifel zu beseitigen, nochmals das badische Wappen eingehauen. Darunter stehen die Buchstaben FF für Fürstenberg. Die Inschriften auf der anderen Schmalseite sind jünger, sie bestehen aus den Buchstaben KR für Kommune Reinerzau und der Jahreszahl 1861. Die gleiche Ausformung haben die Steine Nr. 264 und 270, der letztere ist aber umgefallen.

 


„Herrlichkeitsstein“ oder auch „Hoher Stein“ genannt am Zwieselberger-Eck.



Die Grenzsteine Nr.267 und 269 wurden bereits 1662 gesetzt, während die Steine Nr. 274, 275, 279, 60, 59, und 57 aus dem Jahr 1669 stammen. Diese Steine sind weniger kunstvoll gestaltet. Neben Jahreszahl und Steinnummer tragen sie auf ihrer Westseite den badischen Schild mit dem Schrägbalgen, auf ihrer Ostseite den württembergischen Schild mit den drei Hirschstangen.


Die übrigen, nicht aufgeführten Steine stammen durchweg aus dem 19. Jahrh. Eine Besonderheit in der Steinreihe stellt der Stein Nr. 55 von 1669 dar, der sich südöstlich des ehemaligen Ortes badischer Kniebis  bei Punkt 898,2 befindet. An seiner Südseite zeigt er nämlich das unversehrte alte, vereinfachte Fürstenberger Wappen, den Adler umrahmt von einem Wolkenfries. Es ist das einzige an der ehemaligen Landesgrenze gefundene fürstenbergische Wappen, das nicht ausgehauen wurde. Unter dem Wappen steht die Zahl 55, die Nummer des Steines. An der Westseite findet sich ein kleines badisches Wappen mit den darunter eingehauenen Buchstaben FF, auf der Nordseite die Zahl 32, die des Steines. Die Ostseite ist wiederum wie Stein Nr.255 kunstvoll gestaltet mit den herzoglichen Initialen und dem vierteiligen württembergischen Schild.

Abschnitt  Kniebis-Zuflucht
Dieser Grenzabschnitt beginnt nordwestlich des ehemaligen Ortes badischer Kniebis, wo die Eichelbachstraße von der Bundesstraße 28 nach Süden abgeht.


Von hier bis zur Alexanderschanze stehen sechs alte Grenzsteine, wovon fünf im Jahr 1669 und einer im Jahr 1673 gesetzt wurden. Die übrigen Steine stammen alle aus dem 19. Jahrh. Die fünf Grenzsteine von 1669 sind alle gleich gestaltet. Die Nordseide trägt den Buchstaben W, darunter das württembergische Schild mit den drei querliegenden Hirschstangen, die Ostseite enthält die Steinnummer, die Südseide den badischen Wappenschild, die Westseite die Jahreszahl. Deutlich zu erkennen ist an allen Steinen, dass das dort zuvor befindliche fürstenbergische Wappen ausgehauen und das badische Wappen eingemeißelt wurde. Etwa 150 Meter südwestlich des Gasthauses Alexanderschanze steht unmittelbar südlich der Bundesstraße 28 beim dortigen Kreisstein der Grenzstein Nr. 62 von 1673. An seiner Ostseite findet sich unter den zuvor besprochenen herzoglichen Initialen E H Z W das von dem Steinmetzen sehr schön ausgearbeitete vierteilige württembergische Schild. Auf der Nordseite steht die Jahreszahl 1673 über einem angewitterten badischen Wappenschild, auf der Westseite ist das badische Wappen später eingehauen worden, die Südseite zeigt die   Steinnummer 62.


Der nächste und letzte Grenzstein unseres Abschnittes steht auf dem Waldparkplatz bei der Jugendherberge Zuflucht nördlich der Landstraße nach Oppennau. Der schön gearbeitete Stein markiert die Grenze zwischen dem Herzogtum Württemberg und dem Bistum Straßburg. Er wurde 1673 gesetzt, neun Jahre nachdem die württembergische Pfandherrschaft über das, das Rench-und Achertal umfassende, straßburgische Amt Oberkirch geendet hatte.

 



  Grenzstein 62 bei der Alexanderschanze

Die Verpfändung an Württemberg dauerte 67 Jahre, nämlich von 1592 bis 1634 und von 1649 bis 1664 und hatte ihre Ursache in dem Streit um die Straßburger Bischoswahl, eine Auseinandersetzung, die als ,,Straßburger Bischofkrieg“ in die Geschichte eingegangen ist. Das konfessionell gespaltene und seit längerer Zeit zerstrittene Straßburger Domkapitel hatte 1592 eine zwiespältige Wahl getroffen. Die evangelischen Domherren wählten den evangelischen Markgrafen Johann Georg von Brandenburg, die katholischen Domherren den katholischen Kardinal von Lothringen zum Bischof. Herzog Friedrich I. von Württemberg ging daraufhin ein Kondominium ( Mitherrschaft ) mit dem evangelischen Bischof über den rechtsrheinischen Teil des Bistum Straßburg ein.


1597 wurde sogar ein Vertrag zwischen dem Herzog und dem Brandenburger geschlossen, der die volle Verfügungsgewalt über den rechtsrheinischen Teil des Bistum an Friedrichs elfjährigen Sohn Ludwig Friedrich übertrug. Kondominat und Übertragung der Verfügungsgewalt erfolgten pfandweise, um damit die Kosten zu decken, die die Auseinandersetzung um die Bischofswahl und die Übernahme der lutherischen Konfession verursacht hatte. Der Streit, in den sich sowohl der deutsche Kaiser als auch der König von Frankreich einschalteten, eskalierte rasch zum Krieg, in dem Herzog Friedrichs Schwager Fürst Christian von Anhalt zum Befehlshaber des evangelischen Bischofsheeres und der Stadt Straßburg bestellt wurde. Die Auseinandersetzung endete mit dem Sieg der katholischen Partei. Der Kaiser belehnte 1599 den Kardinal von Lothringen mit dem Bistum Straßburg. Darauf versuchte Württemberg, nachhaltig unterstützt von Frankreich, doch noch eine Änderung zu erreichen. Schließlich erklärte sich 1604 der Kardinal von Lothringen als Ausgleich für einen württembergischen Verzicht bereit, das straßburgische Amt Oberkirch, das Herzog Friedrich I. bereits 1602 militärisch besetzt hatte, pfandweise an Württemberg abzutreten. Württemberg geht bei der Verpfändung von einem Dauerbesitz aus, was daraus zu ersehen ist, dass der Herzog in die Wappendecke der neu gebauten Freudenstädter Statdkirche die Wappen der Renchtalorte Oberkirch und Oppenau fest einfügen lässt.Wider Erwarten löst das Bistum Straßburg aber 1664 die Pfandschaft ein, wodurch die württembergische Herrschaft im Rench- und Achertal endet.


Der württembergische Versuch, eine Landbrücke zum Elsass und nach Mömpelgard zu gewinnen, ist gescheitert. Gadner zeichnete in seiner Karte des Baiersbronner Forstes von 1593 auf der Kuppe des Rossbühl bei der Zuflucht das ,,Steinin Creutz“ neben einem Grenzstein von 1555 ein. Daneben ist ,,Das Wirttembergisch Lager anno 1593“ mit vielen Zelten abgebildet, das anlässlich des so genannten ,,Straßburger Bischofskrieg“ hier errichtet wurde.


Zu der Steinsetzung von 1673 kam es wahrscheinlich, weil Württemberg unter Herzog Eberhard III. und Straßburg unter dem Kardinal Franz Egon von Fürstenberg an diesem wichtigen Schwarzwaldpass ihre Grenzen nach Ablauf der Pfandschaft fest und dauerhaft bezeichnen wollten. Der Stein trägt an seiner Westseite oben die Buchstaben HSSB, was Hoch-Stift-Straßburger-Bistum bedeutet. Dann folgt das badische Wappen, darunter die Jahreszahl 1673 mit der Steinnummer 84.              

 


Stein 84 bei der Zuflucht mit dem Straßburger Wappen       


Der Schild zeigt barocke Formen und läuft nach unten spitz aus. Es ist offensichtlich, dass die Straßburger Embleme ausgehauen und durch den badischen Schrägbalken ersetzt wurden. Die Ostseite zeigt die bekannten Buchstaben EHZW, darunter den kunstvoll gearbeiteten vierteiligen Schild von Württemberg mit der Jahreszahl 1673. Auf der Kopfseite bricht die Kerbe der Grenzlinie fast im rechten Winkel von Nordwesten nach Nordosten ab. Auf der langen Grenzstrecke bis zum Dreifürstenstein auf der Hornisgrinde ist dies der einzige Grenzstein, der noch ausfindig gemacht werden konnte.

 Markante Grenzmale
Im Nordschwarzwald gibt es einige bemerkenswerte Grenzmale, die es verdienen, nicht in Vergessenheit zu geraten. Sie seien nachstehend aufgeführt.

Steinhäusle bei Herrenalb          
Das Steinhäusle liegt etwa drei Kilometer nördlich von Bad Herrenalb an der Straße Herrenalb-Ettlingen ( L 564 ). Dort verlief bis 1952 die Landesgrenze zwischen Baden und Württemberg, die heute noch die Grenze zwischen den Kreisen Calw und Karlsruhe bildet. Östlich der Alb deuten Steinmauern und Steinwälle noch die alten Grenze an. An dem Wohnplatz Steinhäusle stand ursprünglich nur ein Hof, der erst nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet wurde.


Der Grenzpunkt ist ungewöhnlich aufwändig durch eine Gruppe von Hoheitszeichen markiert. Nebeneinander stehen ein kleiner, 1821 gesetzter Grenzstein mit den württembergischen drei waagrechten Hirschstangen im Schild, auf der Rückseite befindet sich das badische Wappen mit dem Schrägbalken. Daneben steht eine große badische Pyramide, die unbeschriftet ist. Dahinter ragt ein barockes Kruzifix aus Sandstein auf, das unter der Abtissin Maria, Gertrud von Ichtrazheim, die von 1715-1761 dem Kloster Frauenalb vorstand, errichtet wurde. Hier grenzen auch evangelische und katholische Gebiete aneinander.


Dieser uralte Grenzübergang dürfte wohl mindestens seit 1535 bestehen, als der Schirmherr Württemberg das Zisterzienserkloster Herrenalb auflöst und den Besitz seinem evangelischen Kirchengut einverleibt. Hier standen früher die Grenzstöcke mit schwarz-roter oder gelb –roter Streifung und den fürstlichen Wappen. An diesem Grenzpunkt wurde 1775 ein Zollhaus erbaut, das längst zerfallen ist. Man hat es aus Feldsteinen errichtet, von denen wohl der Name ,,Steinhäusle“ abgeleitet wurde.


Die ältesten Staatsgrenzsteine des 19. Jahrh. tragen meist die Jahreszahl 1821. Nach dem Ende der Herrschaft Napoleons war nämlich die Erhaltung des Großherzogtum Baden innerhalb den durch die napoleonische Flurbereinigung geschaffenen Grenzen strittig und wurde von den damaligen Großmächten als ,,badische Frage“ behandelt. Die territoriale Integrität Badens wurde vor allem von Bayern bedroht, das Ansprüche auf die rechtsrheinische Pfalz erhob. Durch den Frankfurter Generalrezeß vom 20.Juli 1819 wurde der Besitzstand Badens von England, Österreich, Preußen und Russland endgültig bestätigt. Erst auf diesem festen Fundament konnte Baden seine staatlichen Verhältnisse ordnen, wozu auch die Markierung seiner Grenzen gehört.

Bei der Teufelsmühle
Auf der 825 Meter hohen , oberhalb von Loffenau gelegenen Teufelsmühle, einem der schönsten Aussichtsberge des Nordschwarzwaldes, haben sich durch Inschriften in den dort liegenden Buntsandsteinblöcken die zur Überprüfung und Berichtigung der baden-württembergischen Landesgrenze eingesetzten Kommissionen ein Denkmal gesetzt.

Die Inschriften an den vier Felsen stammen aus den Jahren 1821, 1833, 1834, 1891, 1905 und 1911 und enthalten neben dem Begehungsjahr auch die Namen der beteiligten Amtspersonen. Jägerschmidt gibt in seinem 1800 erschienen Buch ,,Das Murgthal“ an, dass die älteste Inschrift von 1608 stamme. Sie konnte aber nicht mehr aufgespürt werden. Die vier Steinblöcke befinden sich südlich des Aussichtsturms entlang der ehemaligen Landesgrenze beiderseits eines nach Süden führenden Fußweges. Drei Steine stehen oberhalb, einer unterhalb des Pfades.
Der kleinste, etwa zwei Meter lange Stein enthält die älteste Beschriftung ,,Landesgrenzberichtigung“ aus dem Jahre 1821. sie zeigt den württembergischen und badischen Wappenschild, wobei der badische Schrägbalken in der falschen Richtung eingemeißelt wurde. Als ,,Comisarien“ sind genannt für Württemberg Oberamtsrichter von Seeger und für Baden Oberforstrat Jägerschmidt, der forstliche Chronist des Murgtales. Rechts neben dieser Inschrift hat sich die ,,Landesgrenzcomission“, von 1891 verewigt mit den Bezirksgeometern F. Ströhlein, Calw und F. Fuhrmann, Baden. Der nächste, etwa drei Meter lange, zwei Meter breite und ein Meter hohe Stein erinnert an die ,,Grenzberichtig. Viss. Comis“. Von 1833, wobei die Namen einzelner Teilnehmer verwittert und nur schwer zu entziffern sind. Folgende Namen sind noch auszumachen: Für Württemberg: T.v.Moltke, Rev. Förs…., unleserlich, C. Bullinger, Actuar. Für Baden: J. Rehm Beziksamt Verw., Franz v. Kettner, Forstm. J. Fritz, Rev.Foerst., M. Sturm, Actu….. Als Datum folgt dann: 9. Okt. MDCCCXXXIII ( das heißt 1833 ).

Zwischen den badischen und württembergischen Inschriften ist in der Mitte ein Baum angedeutet. Unter der Jahreszahl steht: Brude Forst C. Gesch. Der dritte Stein erinnert an ,,Forstcommisaer Froener“, der 1834 die Grenze visitiert hat. Links daneben wollte sich anscheinend ein Unbeteiligter mit der Inschrift, ,,Paul Schiel 1899“ der Nachwelt überliefern. Der größte, überhängende Stein steht unterhalb des Fußweges und ist etwa acht Meter lang, zwei Meter breit und ein Meter hoch. Auf seiner Oberseite ist zu lesen:
                                                       Landesgrenze
                                                       Commission
                                                            1905
                                                    Bezirksgeometer
                                                    Heiz     Gleiher
                                                    Calw    Rastatt

Rechts neben dieser Inschrift ist die Landesgrenzcommission von 1911 mit den Bezirksgeometern Steiff, Calw und Vollmer, Rastatt eingemeißelt.
Die Höhen bei der Teufelsmühle werden jahrhundertelang intensiv beweidet. 1820 und auch noch 1837 wird der Berg als ganz kahl geschildert,. Auf der Teufelsmühle soll sich die Sage vom geprellten Teufel abgespielt haben. Dieser wollte einem Müller aus Loffenau auf dem ,,Steinsberg“, so hieß der Berg früher, nächtens eine komplette Mühle bauen. In der knappen Zeit gelang ihm dies aber nicht. Nach dem frühmorgendlichen Hahnenschrei warf er daher sei noch unfertiges Bauwerk in Stücke, worauf der Berg von der Bevölkerung den Namen ,,Teufelsmühle“ erhielt.

Der Dreifürstenstein auf der Hornisgrinde
Der Dreifürstenstein ist ein ungemein vielseitiges Grenzmal früherer Zeiten. Jahrhundertelang bildet die in der Südostecke der Hornisgrindehochfläche auf 1151 Meter Meereshöhe gelegene mächtige Buntsandsteinplatte ein Dreiländereck, wo die Grenzen des Herzogtums Württemberg, der Markgrafschaft Baden-Baden und des Bistum Strassburg zusammentrafen. Die von Oettinger 1609 gefertigte Karte des Baiersbronner und Reichenbacher Forstes führt diesen Grenzpunkt überraschenderweise nicht auf und bezeichnet die Örtlichkeit als ,,Kueneck“, heute Kieneck. Erst 1750 heißt es, dass im Jahr 1722 badische und württemb. ,, Forst- und Civil- Beamte den auf denen Hornuß- Grinden, oben auf dem Kopf angetroffenen 24 Schuh lang und 16 Schuh breiten Stein zu einem gemeinsamen Land- Gräntz-Stein angenommen, den großen Breit-Stein benahmßet, und mit beiderseitigen Fürstl. Wappen“ versehen haben. Der dortige Berg, durch den die Grenzlinie geht, wird in den alten württemb. Schulbüchern noch als Katzenkopf verzeichnet. Er war die höchste Erhebung des ehemaligen Landes Württemberg. Sein Name Katzenkopf ist aber auf den Karten völlig verschwunden, lediglich die Staatswaldabteilung VII 17 des Forstamtes Klosterreichenbach führt heute noch den Namen Katzenkopf. Der eigentliche Gipfel der Hornisgrinde ist mit 1164,2 Metern Meereshöhe rund 13 Meter höher und liegt weiter nördlich auf der moorigen Hochfläche. Die Hornisgrinde hieß um 1800 noch ,, Horners Gründe“, gleichfalls wurde der Mummelsee ,,Horner See“ genannt. Über die Herkunft des Namen Hornisgrinde ist näheres nicht bekannt. Wahrscheinlich ist er entstanden aus ,, Horn-mis-grinde“, was einen kahlen Bergrücken bedeutet, der auf seiner Höhe ein Moor trägt.


In der Mitte der ziemlich ebenen Steinplatte befindet sich der eingehauene Grenzpunkt, von dem die verschiedenen Herrschafts- und Markungsgrenzen abgehen. Weiterhin sind die Jahreszahl 1722und die Wappen von Württemberg, Baden und Windeck, das Bistum Straßburg war damals Miteigentümerin des Windecker Waldes, eingemeißelt.


Das Wappen des Bistum Straßburg findet sich nicht. Der fünf bis sechs Meter lange und breite Felsblock ist eine imposante Grenzmarke, über die es kaum Grenzstreitigkeiten gegeben haben dürfte, denn bei ihrer Mächtigkeit konnte sie weder entfernt noch weggerückt werden.
Der Name unseres Grenzpunktes wechselte öfters. Bei seiner ersten Markierung im Jahre 1722 wird er als ,,großer Breitstein benahmset“. Stahl bezeichnet ihn 1754 in seiner Forstkarte als ,, Der Drev Loochen Stein“. In der Beschreibung der Landvogtei Ordenau von 1795 heißt er der ,,Drei-Grafenstein“. Damals wird er auch als ,,Dreilach“ oder ,,Dreilauf“ erwähnt. Dann nennt man ihn ,,Dreimarkstein“, bis sich schließlich die heute übliche Bezeichnung ,,Dreifürstenstein“ durchsetzt.


Wahrscheinlich ist der Dreifürstenstein auch eine uralte Grenzmarke, die für die territoriale Entwicklung des Nordschwarzwaldes von einiger Bedeutung war. Als nämlich der Frankenkönig Chlodwig die Alamannen 496 n. Chr. In der Schlacht bei Zülpich besiegt, drängt er sie nach Süden zurück. Die damals zwischen Franken und Alamannen bzw. Schwaben gezogene Grenzlinie beginnt an der Murgmündung, zieht die Oos aufwärts zur Hornisgrinde, dann Wälzbach, Langenbach und Schönmünzach hinab zur Murg. Oberhalb des Ortes Forbach folgt sie dem Sasbach aufwärts zum Hohloh, dann den Rohn-oder Hirschbach talab zur Enz bis zur Mündung des Lappaches bei Enzklösterle. Dann läuft sie den Lappach aufwärts, nördlich an Aichelberg und Hühnerberg vorbei die Kleinenz nach Oberkollwangen. Die Grenze führt weiter zur Teinach , um nach Überquerung der Nagold bei Kohlerstal zwischen Gechingen und Dachtel weiter nach Osten ziehen.

Noch bis 1953 führt die Landesgrenze zwischen Baden und Württemberg vom Dreifürstenstein an Wälzbach, Langenbach und Schönmünzach entlang, wobei der linke Uferrand die Grenze bildet. Diese von West nach Ost verlaufende Stammesgrenze hat auch die frühmittelalterlichen Gaugrafschaften Nagoldgau und Ortenau von dem Uffgau geschieden ( Abb. 63 ). Später bildet sich die Grenze der Herzogtümer Schwaben und Franken, zugleich auch die der Bistümer Konstanz und Speyer. Im Murgtal ist diese Linie heute noch als Mundartgrenze erkennbar. Auch die Ordnung der Gernsbacher Murgschiffer von 1488 bezeichnet die ,,Schwaben“ des oberen Murgtales als Fremde, die bis heute mehr oder weniger fortbesteht.


Pfarrer Friedrich August Köhler besucht auf seiner Wanderung durch das obere Murgtal 1804 die Hornisgrinde und auch unseren Grenzpunkt, der damals ,,Dreilochenstein“ hieß. Erist begeistert von der unbeschränkten, weitreichenden Fernsicht auf Südschwarzwald, Vogesen , Rheinebene, Schwäbische Alb bis hin zu den Schweizer Alpen. Damals waren nämlich die dortigen Berghochflächen noch unbewaldet und ermöglicht daher auf fast allen Seiten eine viel weitere Sicht als heute. Sie dienten als Viehweiden. Die Weidewirtschaft ist wohl die älteste Nutzungsart des Nordschwarzwaldes, da bei den standörtlichen Voraussetzungen nicht der Ackerbau, sondern die Viehzucht Hauptnahrungsquelle und Lebensgrundlage der Bevölkerung war. Jedes Dorf hat seine eigene nach Hunderten zählende Viehherde mit den dazugehörenden Hirten. Auf den Hochweiden wuchs auch der gelbe Enzian, aus dessen Wurzeln man den Enziangeist brannte. Wie lebensnotwendig ausreichende Weideflächen waren, zeigen die ständigen Weidestreitigkeiten zwischen den einzelnen Orten und die sich meist anschließenden langwierigen Prozesse. Bei den engen Tälern mit ihren steilen, blocküberlagerten Hängen kommen als Weiden vor allem die mit Strauchwerk, Bergkiefern, Birken, Vogelbeeren und ortsweise mit dürftigen Fichten und Kiefern bestandenen Bundsandsteinhochflächen, die Grinden, in Betracht. Die Schaffung von Hochweiden erfolgt bereits um 1100 durch Brandrodung, die man zur Förderung des Graswuchses immer wieder abbrennt. Zudem werden die Weideflächen ständig tiefer in die Täler vorgeschoben, so dass die Grinden viel ausgedehnter und verbreiteter als heute waren. Für uns Menschen des 21. Jahrhund. Ist es sicher erstaunlich, dass noch um 1800 die obersten Lagen des Höhenzuges vom Kniebis über Schliffkopf, Ruhestein, Hornisgrinde bis hin zur Badener Höhe kahl und unbewaldet waren. Das gleiche gilt auch für Teufelsmühle, Hohloh und Schramberg östlich der Murg. Auf diesen Hochweiden findet eine Art Almbetrieb mit zahlreichen Senn- und Viehhütten oder Maierhöfen statt, wie er heute noch in den Alpen üblich ist. So hat die Ortsbezeichnung Steinmäuerle beim Schliffkopf, das noch 1604 ,,Meyerlein“ genannt wurde, ihren Ursprung wohl in einem Meier- oder Viehhof. Dann berichtet Oettinger in seinem 1624 erschienenen Landbuch, dass bei Baiersbronn die ,,Waydt auf den Gründen um einjährig Bestandgeld“ verliehen werden.

Erst um 1800 beginnt die Beschränkung und Zurückdrängung der Hochweiden, verbunden mit der Aufforstung der freiwerdenden Flächen. Württemberg beschränkt 1832 die Waldweide auf die Hochflächen und lässt zwischen Kniebis und Hornisgrinde als Grenzlinie gegen den bewirtschafteten Wald einen Graben ziehen. Die durch ausgedehnte und starke Beweidung waldfreien Hochflächen waren sicher mit die Ursache für die phantastische Fernsicht, die Pfarrer Köhler damals sichtlich genoss.


Für mich als Forstmann war es besonders interessant, neben den französischen Forstzöglingen aus Nancy, die 1836 hier waren, auch die Forstkandidaten der Land- und Forstwirtschaftlichen Akademie Hohenheim zu entdecken, die sich hier 1837 bei ihrer unter Leitung von Professor Dr. H. W. von Gwinner durchgeführten Schwarzwaldexkursion eingemeißelt haben. Die Exkursion mit 23 Teilnehmern nahm folgenden Weg: Hohenheim-Tübingen-Rottenburg-Horb-Glatten-Freudenstadt-Hornisgrinde-Freudenstadt-Zuflucht-Kehl-Straßburg-Iffezheim (mit Schiff )-Baden-Baden-Gernsbach-Loffenau-Herrenalb-Dobel-Kaltenbronn-Wildbad-Calmbach-Langenbrand-Pforzheim-Hagenschieß-Heimsheim-Leonberg-Solitude-Hohenheim. Neben eingehender Erörterung der begangenen Wälder sammeln die Studenten Gesteine und Käfer, besichtigen den Floßbetrieb, besuchen Bergwerke, Salinen und Uhrenfabriken. Daneben haben sie aber auch ein offenes Auge für die Eigenart und Schönheit der durchwanderten Landschaften. Die jungen Forststudenten mit ihrem 36 jährigen Professor an der Spitze waren gut zu Fuß. Fast die ganze Strecke legten sie in 14 Tagen im Fußmarsch zurück, bei betrachtlichen Tagesstrecken von 20 bis 40 Kilometer. Wir, die wir in einem motorisierten Zeitalter leben, können diese außerordentliche sportliche Leistung in Anbetracht der damaligen Wegeverhältnisse-Wanderpfade und Holzabfuhrwege fehlten noch- nur bewundernd anerkennen.

Herzogsstein bei Mühlacker und der Fürstenstein beim Seibelseckle (Schwarzwaldhochstraße )
Herzog Friedrich I. von Württemberg von der Mömpelgarder Linie (reg. 1593-1608) unternimmt vom 15. März bis 14. April 1604 persönlich einen Umritt entlang der württembergischen Landesgrenze rings um das Herzogtum herum, der wohl Tradition und landesherrlichen Erfolg demonstrieren sollte.


Georg Gardner liefert, vermutlich 1603, zur  Vorbereitung dieses Grenzumrittes eine ,,Beschreibung des Bezircks des gantzen Hertzogthums Wirtemberg“ (HstH, A 4 Bü 5), die als eine Art Reiseplan gedacht war. Darin führt Gadner vor allem die Grenzabschnitte der Forste auf, die mit der Landesgrenze zusammenfallen. Der 31-tägige Umritt beginnt auf dem rechten Ufer der Enz gegenüber von Enzberg (Ortsteil von Mühlacker) an der zwischen Baden und Württemberg und nicht auf dem Kniebis im Baiersbronner Forst, wie Gadner ursprünglich vorgeschlagen hatte. Er führt auf der ,,grinitz von einem marckstein zu dem anderen“ entlang solcher Forste, deren Gebiete die Landesgrenze berührten. Dies sind: Stromberger, Neuenstadter, Böhringsweiler, Reichenberger, Schorndorfer, Heidenheimer, Kirchheimer, Blaubeurer, Uracher, Zwiefalter, Tübinger, Nagolder(samt dem Waldgeding), Alpirsbacher, Schiltacher, Hornberger, Baiersbronner, Altensteiger und Wildbader Forst. Die Reisegruppe besteht neben dem Herzog aus sechs Personen, nämlich Hofmeister Du Boys (Boys), Baumeister H. Schickhardt, Kammersekretär Sattler, einem Hofjunker, einem Trompeter und einem Jungen.

 

Schickardt muss die ,,Raiß umb das Hertzogtum Wirtemberg“ beschreiben (WLB. Cod. Hist. Fol. Nr. 562). Danach hat der Umritt ,,etwas wenigs iber ein Hundert teutscher meiil wegs gehabt“, was etwa 700 Kilometer entspricht. Es war eine ,,miehselige und ganzt beschwerliche Raiß, da wir iber Berg und Thal, nit vil den Wegen nach raisen miessen“. Anerkennend stellt Schickardt fest: ,,es würt sich wol kein fürst fünden, welcher in der Person eine solche beschwerliche Raiß fürgenommen“.


Bei seiner Grenzbesichtigung ritt der Herzog auch die Strecke vom Ruhestein bis zum ,,Holz Kienbach“ (heute Kieneck) bei der Hornisgrinde ab.

Zur Erinnerung daran wurde auf der Hochfläche des Schwarzkopfes eine dort liegende, dreieckig geformte, etwa zwei auf einen Meter große Bundsandsteinplatte behauen, die oben die Initialen des Herzogs ,,FHZW“, das heißt Friedrich Herzog zu Württemberg, darunter folgt das große viergeteilte herzogliche Wappen. Die Jahreszahl 1605, die sich unter dem Wappen befindet, gibt das Jahr an, in dem Fels behauen wurde. Der Stein befindet sich etwa 800 Meter südlich vom Seibelseckle in etwa 1060 Meter Meereshöhe auf der Hochfläche des Schwarzkopfes, rund 20 bis 30 Meter östlich der ehemaligen Grenzlinie und ist in den amtlichen Karten als ,,Fürstenstein“ eingetragen. Oettinger nahm in seiner 1609 gefertigten Karte des Baiersbronner und Reichenbacher Forstes den Gedenkstein auf und zeichnete ihm als ,,Hertzogen-Stain“ zwischen ,,Ruopstein“ (Ruhestein) und (Kueneck) ein. In der Karte bildet er ihn in seinem tatsächlichen Aussehen mit Initialen, Wappen und Jahreszahl ab. Vikar Köhler hat ihn 1804 bei seiner Wanderung besucht und als ,,Jägerstein“ beschrieben. Heute trägt er den Namen ,,Fürstenstein“.

Der Dreimarkstein bei Freudenstadt
Der bekannte und vielbesuchte Dreimarkstein ist ein beeindruckendes Denkmal, das zudem noch auf einem uralten Markungspunkt steht. Er befindet sich an der Landstraße von Freudenstadt nach Schömberg, etwa 700 Meter nördlich der Ortschaft Vordersteinwald. Nach dem Altensteiger Forstlagerbuch von 1685 standen dort noch zwei Häuser. Wegen Gefährdung der Umwelteinflüsse wurde der Stein durch eine naturgetreue Nachbildung ersetzt und zum Schutz gegen Beschädigung mit niederen Steinen umgeben. Das Original befindet sich im Museum in Freudenstadt.


Der Stein wurde 1609 als Forststein gesetzt und grenzte damals Alpirsbacher, Freudenstädter und Oberbadischen Forst voneinander ab. Das 1599 gegründete Freudenstadt erhält 1601 den Namen ,,Frödenstat“. Der Namen der neuen Stadt begegnet uns erstmals in einer am 1. Mai 1601 ausgestellten Dienstanweisung für den neuen Forstmeister in Freudenstadt.


 Die Stadt wird aber auch ,,Fredenstet, Freydenstat“ geschrieben. Daraus hat sich der heutige Name entwickelt. Der Freudenstädter Forst wird 1601 aus dem Dornstetter Waldgeding und dem von der Nagolder Waldvogtei abgetrennten Baiersbronner Forst neu gebildet. Er ist damit einer der jüngsten württembergischen Forste, dem 1612 noch der Alpirsbacher Forst, der zuvor zum Sulzer und dann zum Geroldsecker Forst gehörte, eingegliedert wird. Damit entfällt die Bedeutung unseres Steines als Forstgrenze. Weil aber damals hier die Markungen von Freudenstadt, Schömberg und Rodt (beide heute Gemeinde Loßburg) zusammentreffen, wird er zum ,,Dreimarkstein“.


Nun aber zum Stein selbst. Seine Südseite zeigt das viergeteilte Schild des Alpirsbacher Klosterwappen. Auf zwei schräg gegenüber liegenden Feldern ist das Kreuz auf einem dreihügeligen Berg abgebildet. Auf der beigefügten Abbildung ist der Dreihügel nur schwer zu erkennen. Die zwei anderen Felder zeigen den Buchstaben A, den Anfangsbuchstaben des Klosters. Hinter dem Wappenschild ist der diagonal eingehauene und durchgezogene Abtstab zu sehen.


An seinem Griff ist oben ein Tüchlein angebracht, das zum Anfassen des Stabes durch die Äbte gedacht war, da ihnen von amtswegen keine Handschuhe zustanden. Über den Schild ist wohl nachträglich eine querliegende Hirschstange mit vier Enden eingehauen worden, als Zeichen der württembergischen Oberhoheit. Die Rückseite führt oben die Inschrift ,,Fredenstater Vorst“. Darunter sind reliefartig drei waagrechte württembergische Hirschstangen dargestellt, die beiden oberen mit fünf, die unteren mit vier Enden.

Auf der Kopfseite des Steines ist ein Ypsilon eingehauen, das mit seinen drei  armen die Richtung der drei Markungsgrenzen angibt.Unser Stein ist damit ein wirklicher Dreimarkstein. Auffallend ist, dass die Klosterseite eine sorgfältige, künstlerische Steinmetzbearbeitung erfahren hat, während auf der anderen Seite Inschrift und Hirschstangen viel einfacher, ja fast primitiv erscheinen. Für die Heimatgeschichte von Freudenstadt ist der Dreimarkstein ein wertvolles steinernes Dokument und ein von vielen ehrfurchtsvoll betrachtetes Denkmal aus der Zeit kurz nach der Stadtgründung.


Der Dreimarkstein steht auf der 1477 versteinerten Grenze zwischen den Territorien Geroldseck und Württemberg. Wahrscheinlich ist der Grenzpunkt noch älter und reicher wohl bis in die Zeit der Besiedlung zurück, als die Grafen von Sulz, dene die Herrschaft Loßburg bis gegen Ende des 13. Jahrh. gehörte, die Grenze mitgestalten. Die Niederschrift über die Steinsetzung vom 25. Juli 1477 ist erhalten geblieben und nennt als Auftraggeber Gangolff Freiherr zu Hohengeroldseck und Eberhard Graf zu Württemberg und Möpelgard des Älteren. Das Geschlecht der Geroldsecker, von der gleichnamigen Burg oberhalb von Lahr stammend, besaß damals die Herrschaft Loßburg und Schenkenzell sowie Sulz a. N. Württemberg gehörte das an die Herrschaft Loßburg angrenzende Waldgeding. Noch 1969 stand am Zwieselberger Eck etwa 30 Meter östlich von Stein Nr. 255 ein Grenzstein von 1477, der auf der Südseite das geroldeckische Wappen, eine Querbinde im Schild, auf der anderen Seite zwei württemb. Hirschstangen zeigte. Dieser Stein wurde bei Waldarbeiten schwer beschädigt und in mehrere Teile zertrümmert. Vom einstigen Geroldsecker Wappen war im Jahre 2001 nur noch der unterste Boben zu erkennen. Dieser Markstein wäre heute über 500 Jahre alt und damit der älteste, datierbare Grenzstein im Nordschwarzwald


Im 15. Jahrh. gerät die Schenkenzeller Linie der Geroldsecker durch böse Hände in immer größere Schulden. Gangolff, der letzte Inhaber der Herrschaften Schenkenzell und Loßburg, ist gezwungen, immer wieder Teile seines Besitzes zu veräußern. 1498 verkaufte er an seinen Schwager Wolfgang von Fürstenberg die Herrschaft Schenkenzell mit Kaltbrunn und 1500 die Schenkenburg mit der Kastvogtei über das Kloster Wittichen.
An das Kloster Alpirsbach veräußerte er 1500 Reinerzau und 1501 als seinen letzten Besitz die Herrschaft Loßburg mit Büchenberg, Schömberg, Weiler (Vierundzwanzighöfe), Lombach, Wittendorf und Oberiflingen. Nach der 1535 erfolgten Säkularisation fällt das Kloster Alpirsbach an Württemberg, damit verliert unser Stein seine Aufgabe als Grenzstein zwischen zwei Territorien. Heute dient er als Dreimarkstein nur noch zur Abscheitung von drei Markungen. Aber er berichtet uns von vielen ,,Irrung und Spän“ zwischen Geroldseck und Württemberg, vor allem erzählt er uns vom Niedergang des stolzen Geschlechtes der Geroldsecker, das 250 Jahre in diesem Raum herrschte, bis es 1523 ausstarb.

Zusammenfassung
Vor rund 500 Jahren wurde damit begonnen, die unterschiedlichsten Hoheits-, Herrschafts-, Besitz- und Rechtsbezirke durch Grenzsteine fest zu markieren und damit dauerhaft zu sichern. Erst genaue Grenzen ermöglichen eine Orientierung im Raum und in der Zeit, wie im Umgang mit anderen. Gerade im politisch zersplitterten und religiös uneinheitlichen Südwestdeutschland gab es damals sehr viele Grenzen, deren Verlauf  noch heute vom deutschen Partikularismus und der Herrschaft des Duodez kündet.
Die meisten historischen Grenzsteine im Nordschwarzwald stammen aus dem 16. Jahrh. Aus der Zeit davor haben sich kaum welche erhalten. Ein Wechsel der Herschaft zog nämlich meist ein Auswechseln der Steine, zumindest aber das Aushauen der Besitzzeichen, nach sich.

Daher haben sich die ältesten Steine häufig in geistlichen Herrschaften erhalten, da deren Besitzungen sich als beständiger erwiesen. So fand sich auch der älteste bekannte Grenzstein meiner Erhebung, der 1499 gesetzt worden ist, im Bereich der Johanniter- Komturei Rohrdorf. Umfangreiche rste Steinsetzungen stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrh., einer besonders schreibfreudigen und organisationstüchtigen Zeit. Sie sind übrigens auch ein beredtes Beispiel für deren Leistungen auf dem Gebiet der Staatsordnung und Verwaltung. Gerade in der Regierungszeit von Herzog Christoph von Württemberg (reg. 1550-1568) erfolgen umfangreiche Versteinerungsaktionen,v0n denen viele Grenzsteine heute noch künden. Der Umfang der Versteinerungen lässt im 17. und 18. Jahrh. nach. Erst ab 1820 werden sie in größerem Stil wieder aufgenommen, nachdem die Territorial- und damit auch die Grenzverhältnisse sich geklärt und gefestigt hatten.
Zur Grenzmarkierung werden zunächst recht große Steine verwendet, oft mit Findlingscharakter, die man nur roh behaut. Später werden die Grenzsteine von Steinmetzen sauber behauen und durchweg in eine rechteckige Form gebracht. Als Material wählt man die ördliche Gesteinsart, im Nordschwarzwald den Bundsandstein. Nicht immer sind es große bildhauerische Meisterleistungen, die da zu Stein gebracht werden, doch finden sich auch immer wieder Steine von künstlerischem Wert als Kleinodien am Wegesrand. Oft haben die Steinmetzen aber auch wie am Band gearbeitet, so dass sich die Steine gleichen wie ein Ei dem anderen. Heute hingegen sind die Grenzsteine leider Schmuckloser und nüchterner geworden.


Die Vermarkungen werden meist in genauen Grenzbeschreibungen und Grenzsteinverzeichnissen, aber auch in Lagerbüchern festgehalten, die sich heute noch in großer Zahl in den Archiven finden. Aber es lag auch nahe, den Grenzverlauf  kartographisch darzustellen. Gerade das Herzogtum Württemberg verfügt über eine große Zahl wertvoller Kartenwerke mit Grenzdarstellungen. Einzelne wichtige Grenzsteine sind darin oft Übergroß eingezeichnet.


Vor allem sei verwiesen auf die Kartenwerke von H. Schweickher (1525-1579), H. Gadner (1522-1605), J. Oettinger (1577-1633 ) und A. Kieser (1618-1688 ). Erst die Landesvermessung im 19. Jahrh. (Baden seit 1852, Württemberg seit 1821) macht es möglich, die Grenzverläufe genauer in Karten zu erfassen.


Historische Grenzsteine stehen gleichsam als Repräsentanten längst vergangener Epochen in Wald und Flur und dienen allenfalls noch als geschichtliches ,,Denk-mal“ für staunende Wanderer. Sie scheiden nicht nur die verschiedensten Herrschafts- und Besitzbereiche, sondern sie sind auch wichtige Zeugen unseres Kulturerbes und wertvolle Elemente unserer Kulturlandschaft. Diese steinernen  Urkunden alter Grenzen sind aber auch Künder reicher Heimatgeschichte. Ihre historische und rechtsgeschichtliche Aussage behalten sie aber nur,
wenn sie am ursprünglichen Standort die alten Funktionen zeigen können.


Durch die ständig fortschreitende Um-und Neuordnung unserer Landschaft sind gerade die kleinen Grenzsteine in besonderem Maße gefährdet, vor allem im Siedlungsbereich und in der Feldflur. Ihr Verschwinden oder ihre Zerstörung bedeutet einen Verlust an historischer Substanz. Bei einer Aufstellung in Museen, an öffentlichen Gebäuden oder sogar in Vorgärten ist ihre historische und rechtshistorische Aussage zerstört. Daher besteht an ihrer Erhaltung als Quelle der landesgeschichtlichen Forschung ein öffentliches Interesse. Als Kleindenkmale stehen sie unter Denkmalschutz, ihre Beschädigung oder Entwendung ist strafbar. Setzen wir uns daher intensiv für ihren Schutz und ihre Erhaltung ein, um ihren Bestand dauernd zu sichern.

Grenzsteine abzuwandern und sie zum Reden zu bringen, ist eine Wanderung durch unsere Heimat- und Landesgeschichte. Wer sie versteht, dem haben diese Zeugen der Vergangenheit viel zu erzählen und zu berichten.


Von Max Scheifele

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