Flößerei auf dem Forbach (#0004)

Flößerei  auf  dem  Forbach

Es ist nicht einzusehen, weshalb gerade dem Forbach vom Kniebis herunter bis Baiersbronn nicht geflößt worden sein sollte, bevor im Jahre 1755 die Calwer Holzkompanie das ganze Flözgeschäft an sich riss und sogar die Widerstände der Gernsbacher Schifferschaft im Großen und Ganzen überwand. Viel schmälere und geringere Wasserläufe als der Forbach dienten zum mindesten der Wildflößerei, d.h. dem Abschwemmen von Stämmen und „Plöchern“, je nach der Wassermenge des Baches. Nur der Forbach scheint eine Ausnahme zu machen. Und doch zeigt es sich, dass in dem kleinen Flecken „Vortbach“ an der Brücke beim Talwirtshaus in St. Christophstal mehr Leben und Getriebe herrschte, als man nach den Angaben des Dornstetter Lagerbuches von 1594 annehmen möchte.

Es waren zu der Zeit, wo Herzog Friedrich die Gründung einer neuen Stadt in St. Christophstal ins Auge fasste (1597) und zur Zeit der Gründung Freudenstadts (1599) nicht nur einige Bauerngüter am Anfang der Steig zum Finkenberg hinauf vorhanden, und es standen nicht nur eine Schmelzhütte und andere Bergwerksgebäude oberhalb an der Herrenwiese, sondern es waren auch schon mehrere Sägemühlen vorhanden. Zwei davon, die bereits baufällig waren, kaufte der Herzog, um sie für das Bergwerk nutzbar zu machen, im Jahre 1603. Wegen der einen entstand ein Streit, ob sie zu dem Kniebis oder zu Alpirsbach gehöre; sie hieß „die Alpirsbacher Sägemühle“. Die Sache ist einfach zu erklären. Der Gastmeister vom Kniebis hatte das Fischereirecht im Forbach bis an die Herrenwiese. Ebenso betrieb er die dem Kloster Kniebis gehörige Sägemühle. Als aber das Priorat Kniebis aufgehoben wurde (1544), kam dessen der ganze Besitz an Nutzungen an das Kloster Alpirsbach (und sodann an Reichenbach), z.B. auch alle seine Zehnten im Baiersbronner Tal. Daher erhielt die Mühle den Namen „Alpirsbacher Mühle“.
Aus den Verhandlungen wegen dieser Mühle wird es nun deutlich, dass Flößerei mindestens im 16. Jahrhundert auf dem Forbach betrieben wurde, und zwar nicht etwa nur Wildflößerei. Der Bauer Jakob Ehemann bekundete, er habe eine abgegangene Sägemühle wieder aufgerichtet (1579) und zum Betrieb den „Vortbach“ gebraucht. 1593 verkaufte er sie an den Schultheißen von Baiersbronn, Bentz Detling. Dies war die „Alpirsbacher Mühle“. Im Jahre 1603 stand sie still. Es handelte sich nun darum, ob ein Ankauf durch den Herzog sich lohnen werde. Dabei kam es besonders auf die Möglichkeit der Herbei-und Fortschaffung von Holz auf dem Bache an.

Der führende Schreinermeister (und Bürgermeister) in Freudenstadt, Conrad Pfäfflin, sagte aus, dass sie (die Bauern) die schönsten Bretter, Dielen, Latten usw. „uff ihre flötz“ und die „geringsten uf Ihrer Fürstl. Gnaden gepäw (Gebäue) führen“. Die Bauern meinen, „weil sie ihre Flötz das Jahr nunmehr ergänzt und vortgeschafft, werde es mit uns (den Käufern der Mühle) keine Not haben“.

Im Tal oberhalb ist „ein Wuohr, zur Flötzung der Plöcher, inmaßen es vor Jaren darzu gerichtet worden“. Jetzt versteht man auch einen Hinweis darauf, dass Herzog Friedrich die Flözerei des für die Schmelzhütte in St. Christophstal nötigen Brennholz vor die Tür dieser Hütte angeordnete, wobei von dem vorhandenen „Wuhr“ die Rede ist.
Ein anderer Zeuge im Streit um die fragliche Alpirsbacher Sägemühle sagte aus: Es sei vor Jahren der Bach durch die Inhaber der Mühle schon dazu gerichtet und angefangen gewesen, dass „von oben dem Tal heraber biß zu der Mühlin die Plöcher geflözt“ werden könnten; „aber durch die Baiersbronner abgetan und verboten worden“. Das obere Forbachtal gehörte vor der Zuteilung des Finkenbergs an die neue Freudenstadt zur Gemeinde  Baiersbronn. Hier also ist der Grund zu suchen, weshalb trotz getroffener Vorrichtungen der Forbach nicht ausgiebig zur Flößerei verwendet wurde. Feindseligkeit gegen die Bewohner von Vortbach, wohl gestützt auf die alten Gerechtigkeiten der Baiersbronner in Bezug auf die Holznutzung in ihrem Bezirk
Noch etwas anderes behinderte den eigentlichen Floßbetrieb, nämlich die Wiederbelebung der Bergwerke im 16. Jahrhundert. 1574 wurde das Schlagen von Floßholz in deren Nähe verboten (aus dem Schwarzwald, Jahrg. 1908, S. 70), im Übrigen ein Beweis, dass es bis dahin am Forbach ausgeübt wurde.

Fraglich ist es, ob um die Mitte des 18. Jahrh. der Forbach zum Flözen benutzt wurde, aber nur deshalb, weil keine bestimmte Angaben hierüber vorliegt.
Schon vor der Begründung der bekannten Calwer Holzkompanie (Bischer und Co.) gab es eine größere Firma in Freudenstadt, die Holzhandel betrieb und wovon die Stadt Profit hatte. 1745 ist der Holzhändler Gottfried Wölpper nachgewiesen. Damals hatte die Stadt den Herrschaftswald (vom Kienberg bis gegen den Schöllkopf) auf vier Jahre gepachtet, wofür sie 1550 Gulden verzinste, die sie aufnehmen mußte. Dies deutet doch wohl auf  irgend eine Nutznießung des Herrschaftswaldes hin. Es handelt sich um eine selbständige Unternehmung. Wo das Holz abgeflözt wurde, bleibt jedoch unklar. 1757 wird dann Holzhändler Johann Friedrich Wölpper genannt. Aus einem großen Windbruch im Stadtwald kaufte er das Holz um 115 Gulden. Das Holz ergab mehr als ein Floß. Den Überschuss kaufte er noch um 15 Gulden. Hierbei erscheint in den Freudenstädter Bürgermeisterrechnungen der Ausdruck „Holländer Floßholz“, Eine Holländer Tanne aus den Stadtwaldungen wurde, 60 bis 80 Schuh hoch, mit 4 fl. 30 Kr. Bezahlt.
Im selben Jahre (1757) heißt es dann, die Holländer Holzkompanie, Bischer et Comp., bekomme vertraglich Holz aus den Waldungen, und auf  hundert Stämme einen gratis. Diese Gesellschaft war (nach allen Nachrichten darüber) 1755 gegründet worden und zog alles an sich, was „in die Branche schlug“. Sie pachtete auch einen Teil des Marktplatzes in Freudenstadt als Lagerplatz. Aber der ungeheure Waldbrand vom Jahre 1800 machte der Herrlichkeit ein Ende. Im übrigen ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Kompanie auch den Forbach für Flöße benutzte, wie sie auch die Murg für Langholzflöße einrichtete.

Aus dem Schwarzwald (November 1931 Nr. 11  S. 161/16
Von  Prof. Dr. Manfred Eimer  

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