Aus der Vor- und Frühgeschichte unserer Gegend

Aus der Vor- und Frühgeschichte unserer Gegend
Kniebisgebiet und „Weilerwald“ spät besiedelt.

 

Leider liegen aus der frühesten Besiedlungszeit Südwestdeutschlands für unsere Gegend bisher kaum Bodenfunde vor! Vielleicht gab es in der älteren Steinzeit im östlichen Teil unseres Bezirks, der eine offene Lage hat, bereits Sammler- und Jägervölker, nachgewiesen ist dies jedoch nicht. Ebenso wissen wir wenig über die geologischen Verhältnisse, über Pflanzen- und Tierwelt der Urzeit, da der rotleuchtende Bundsandstein unseres nördlichen Schwarzwaldes durch Einwirkung von Wind und Wasser jene Pflanzenreste und Tierskelette zerrieb.

Spärliche Auskunft darüber, wie es bei uns einmal ausgesehen haben mag, geben uns zum Beispiel Funde wie ein versteinerter Farnwedel aus dem oberen Buntsandstein bei Wittlensweiler und seltsame Netzleisten in unseren Steinbrüchen. Wüstensand, Meer, Tiefland mit Küstenklima und wieder weite Wasserflächen überzogen unser Land da, wo heute unsere bewaldeten Berge aufragen.

Die Besiedlung unseres südwestlichen Deutschlands durch den Menschen war erst möglich, als die nacheiszeitliche Walddecke durch trocken-warmes Klima sich zu lichten begann.


Erst jetzt beginnt die Besiedlung in den östlichen Muschelkalkgebieten, während unser von einem Urwald überzogener Buntsandsteinboden, gerade auch unser Kniebismassiv und der „Weilerwald“ in der Umgebung der heutigen Nagoldtalsperre (Erzgrube, Kälberbronn usw.), erst sehr spät besiedelt werden sollten. Eine Ausnahme bildet das um 1270 von den Klöstern Alpirsbach und Reichenbach aus gegründete Kloster Kniebis. Der Name Kniebis, damals Knieboz oder auch Kniebos (später auch andere Schreibweisen) geht in seiner zweiten Hälfte auf den gleichen sprachlichen Begriff wie „Am-boß“, das althochdeutsche „pozan“, d.h. „stoßen“ zurück. Also bedeutet Kniebis „Knie-stoß“ oder „Kniestößer“, da man sich an dem steilen Berg die Kniee anstoßen konnte. (Näheres über das Kloster im Menue unter „Kloster“).

Der erste Siedler auf dem Kniebis war allerdings Bruder Ulrich, der in der Vorbachsenke (siehe Abb. unten) im Auftrag vom Kloster Bad Herrenalb eine Klausnerei betrieb. Er wurde urkundlich im Jahr 1267 erwähnt. Er bot den  durchziehenden geistlichen und weltlichen Reisenden eine Hilfe und im Notfall eine Unterkunft, bevor sie den weiteren Weg durch den Urwald, in dem es auch noch wilde Tiere gab, über die Sümpfe der Höhen ins Rheintal wagten. Besonders im Winter war der Übergang sehr mühsam und gefährlich, sodaß manch Durchreisender gerettet werden musste. Sicher gab es auch oft Kranke oder gar Tote auf der Strecke, die womöglich auf dem Klosterfriedhof begraben wurden.

Die ersten Wege führten nicht durch die engen Täler, also auch nicht durch das Forbachtal, sondern über die Höhen. Es ist bekannt, dass der erste Weg über den Kniebis vom Christophstal über den Finkenberg hinauf über den Vorderen Kniebis zum Kloster führten.
Lange Zeit war dies die Hauptverbindung vom Murgtal über die Kniebishöhen und Oppenau bis Straßburg. Vom Kloster aus führte der Weg meist über Hohlgräben (s. auch „Alte, tiefe Gleisspuren“ oberhalb des ehemaligen Gasthaus „Waldeck“!) hinauf zur „Zuflucht“, dann hinunter ins Renchtal bis Straßburg.

Als der Kniebis noch unbesiedelt war (Aus der Fantasie gezeichnet von Wilhelm Beilharz, auch von W. Bidermann in seinem Büchlein „Willkommen bei Bruder Ulrich auf dem Walde“ aufgenommen).



Zum Bild.
In der Forbachsenke (Bildmitte) entstand im  13. Jh. die Klausnerei von Mönch Ulrich aus Bad Herrenalb (1267 erstmals urkundlich erwähnt).
Es sind mehrere Tiere darauf  zu erkennen: Bär, Luchs, Wölfe, ein Auerhahn und Rehe.

Unter der Pfarrei Dornstetten wurde dann eine Marienkapelle gebaut, und daraus entstand später ein  größeres Kloster mit Hospiz, worüber später berichtet werden soll.

Es ist sehr umstritten, dass die Römer schon über den Kniebis zogen, da der Urwald schwer zu durchdringen war! Sicher ist, dass seit dem Mittelalter eine wichtige Handelsstraße, später der Schwabenweg, eine sehr wichtige Rolle für den Kniebis spielte (nächste Verbindung über den Paß vom Neckartal in die Rheinebene)! Erhärtet wird diese Theorie durch die Entdeckung tiefer Fahrrinnen in den Buntsandsteinplatten des Hohlgrabens, der vom Forbachtal zum ehemaligen Hotel „Lamm“ oberhalb des Hotels „Klosterhof“ führt. Ein Hinweisschild erläutert den Gleisweg und erklärt auch einiges über den Schwabenweg, der in Kriegszeiten natürlich eine wichtige Rolle spielte! Auch in der Literatur wird diese alte Verbindung über den Kniebis oft erwähnt (S. auch Abhandlungen der Heimatforscher Wein).


Über die Klostergeschichte, den Schwabenweg (Gleisweg), die spätere Entwicklung des Ortes Kniebis kann man sich im Archiv des Kloster- und Heimatgeschichtsvereins Kniebis e.V. informieren, sowie auch über diese Website.


Es ist anzunehmen, dass sich die Römer in der damals recht unwirtlichen Gegend nicht ansiedeln wollten.


Den württembergischen Schwarzwald erschlossen sich die römischen Truppen im Jahre 74 n. Chr., während der Regierung des Kaisers Vespasian, durch die Anlage einer Verkehrsstraße von Straßburg das Kinzigtal aufwärts und weiter nach Waldmössingen und Rottweil. Ein Haltepunkt an dieser Straße ist noch heute in Überresten auf dem „Schänzle“ unweit Alpirsbach bei Rötenberg zu erkennen, wo ein Altar der Schwarzwaldgöttin Abnoba gefunden wurde.


Im östlichen Teil unseres Kreises, bei Iflingen, wurde ebenfalls eine alte Heerstraße nachgewiesen, und bei Böffingen bestand neben einer spätkeltischen auch eine kleinere römische Niederlassung, wahrscheinlich ein Einzelhof (villa rustica), was durch hochinteressante Funde erhärtet ist (Urne, Steingrab, rote Teller, Münzen usw.).


Unser Gebiet gehörte damals zum römischen Verwaltungsbezirk Sumelocena, dem heutigen Rottenburg. Es kann aber, abgesehen von seltenen Einzelniederlassungen, von einer nennenswerten und eigentlichen Besiedlung unseres Kreisgebiets in der frühgeschichtlichen Zeit bis zum Ende der Römerzeit nicht die Rede sein. Der Wald war zu dicht und unpassierbar, erst recht im Winter! Außerdem gab es damals, wie bereits erwähnt, auch noch wilde Tiere. Die Gebeine eines von einem Wolf zerfleischten Menschen fand man noch im Jahre 1814 bei der „Zuflucht“! Der Boden ist zu sandig und auf der Höhe zu moorig (evtl. bestand schon damals ein Knüppeldamm durch das Hochmoor?), sodass eine frühe Besiedlung kaum möglich war.


Erst etwa seit dem Jahr 260n.Chr., als die Alemannen von Nordosten her in unsere Gegend einbrachen und in langwierigen Kämpfen die römische Herrschaft zerschlugen, wurde unser Raum allmählich besiedelt. Wahrscheinlich blieb die ärmere keltisch-römische Bevölkerung zurück und ging im germanischen Volksstamm auf.


Nur wenig wissen wir von dieser unruhigen Zeit der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert.


Es gab bis in das östliche Schwarzwaldvorland hinein einen raschen Wechsel der Völkerschaften und  Stämme, eine schriftliche Überlieferung aus jener Zeit liegt uns jedoch leider nicht vor.

PS: Zu erwähnen sei noch die Tatsache, dass Gerhard Armbruster, ein Kniebiser, diese
hochinteressanten Gleisspuren vor Jahren entdeckte! Weitere solche Gleisspuren hat man später auch oberhalb am Westweg entdeckt.

Für den Verein: Schriftführer Wilhelm Beilharz

Verwendete Literatur

1.) „Heimat zwischen Murg und Kinzig“ (Hiss 1953)
2.) „Zu Kniebis auf dem Walde“ (Eimer)
3.) „Der Kreis Freudenstadt (Gerhard Wein, Konrad Theiss Verlag 1978)

Joomla templates by a4joomla