Kloster- und Besiedlungsgeschichte Kniebis (#0002-0004)

Als zentraler Gebirgsstock des Schwarzwaldes besitzt der Kniebis nicht nur geographisch eine große Bedeutung, sondern auch seine Geschichte hat sich außerordentlich lebhaft gestaltet.

Es gibt Vermutungen, dass schon die Römer im 1.Jahrhundert einen Weg über das Gebirge nahmen, der das Zentrum Straßburg mit den vorgebauten Limesorten Rottenburg und Regensburg verbinden sollte. Das Gelände spricht für einen Weg über Loßburg, Masselsträßle, Salzleckerweg, Kniebis, Oppenau, doch ist dieser nicht genügend erforscht.

Die frühesten Verkehrs- und Handelswege, die einst als Fußwege über Land führten, erlaubten schon früh erste Handelsgüter zu transportieren. Diese ersten Handelswege dienten auch dem zivilen Personenverkehr, sowie der schnellen Weiterleitung von Nachrichten und Truppenbewegungen. Einer dieser Wege im nördlichen Schwarzwald, war die Passstraße über den Kniebis. Er war die Voraussetzung für die Entstehungsgeschichte unseres Klosters.

 

 

 

 

Der zweimal das Forbachtal querende, allgemein bekannte Kniebisweg (16. Jahrhundert) vom Christophstal über den Finkenberg dürfte erst seit der Bergbauzeit im Christophstal bestehen. Die unnötigen Auf- und Abstiege sind sonst nicht ganz verständlich.   

 

Wenn wir uns mit der Entstehungsgeschichte des Klosters befassen, müssen wir uns in die Zeit des 13. Jahrhunderts zurückversetzen. Der Schwarzwald war zu jener Zeit kaum besiedelt. Vereinzelte Siedler hatten sich im Schutz der Burgen und Klöster angesiedelt. Durch dieses urwaldähnliche, dunkle und besiedlungsfeindliche Gebiet führte ein einfacher Saumpfad von Ost nach West. Er war die einzige Querverbindung im nördlichen Schwarzwald. Dieser Saumpfad war die kürzeste Verbindung zwischen den Bistümer Rottenburg und Straßburg und wurde auch von Fernreisenden  benutzt. Der Weg führte von Dornstetten, Ach, Wittlensweiler auf den Kniebis und weiter über Oppenau bis Straßburg.

Nach dem Tod des letzten Stauferkaisers Friedrich II. im Jahr 1250, waren die Wege im Südwesten sehr unsicher geworden. Während der kaiserlosen Zeit gab es große Rivalitäten unter den einzelnen Grafen. Jeder versuchte sich auf Kosten des Stauferguts zu vergrößern.

Verschiedene Bischöfe, Grafen und Vögte baten mehrfach den Abt des Zisterzienserklosters Herrenalb um 1250, einen geeigneten Mönch auf den Kniebis zu schicken, um den Reisenden und Pilgern mehr Schutz und Beistand zu geben.

Es ging bei der Entsendung eines Mönches auf den Wald (Kniebis) um geistlichen Beistand, das geschah im Zusammenhang mit der Kapelle, aber auch um den leiblichen Schutz. Herrenalb suchte

nach einem erfahrenen Mönch, der als Betreuer der Kapelle und Gastgeber der Reisenden tätig sein sollte. Die Wahl fiel auf „Bruder Ulrich“, der vermutlich wie sein Abt Konrad von Eberstein aus dem Adel stammte.  

Der Kniebis gehörte damals zu Dornstetten, das im Besitz der Grafen von Fürstenberg war. Nach dem Tod des Mönches 1267 stritten Graf von Fürstenberg und das Kloster Herrenalb um die Besitzrechte an der Kapelle. Durch Vermittlung zweier gelehrter Mönche aus Sindelfingen und

Meister Eberhard aus Horb kam es zu einem Vergleich. Abt und Konvent des Klosters von Herrenalb verzichteten gegen eine Abfindung auf alle Ansprüche aus dem Besitz der Kapelle.

In einer Urkunde vom 28. April 1267

wurde dieser Rechtsstreit niedergeschrieben und durch Zeugen beglaubigt. In dieser Urkunde taucht zum ersten Mal der Name Kniebis auf.

Noch im gleichen Jahr 1267 wurde die Kapelle selbständigePfarrkirche. Heinrich, Graf von Fürstenberg, bestätigt die vom Bischof Eberhard II. von Konstanz am 12. November 1267 verfügte Trennung der Kapelle auf dem Kniebis von der Pfarrkirche St. Martin in Dornstetten. Zur Kapelle soll das Gebiet vom Forbachtal bis zu den Grenzen des Bistum Straßenburg gehören.      

Graf Heinrich I. von Fürstenberg rief weitere Mönche herbei und schenkte ihnen den ganzen Berg, damit sie ein Kloster an dem Pfad bauen sollen, um vorbeiziehenden Menschen und Tieren, Zuflucht und Herbergezu gewähren. In einer Schenkungsurkunde bestätigt Bischof von Bamberg am 02. Dezember

1278 die durch den Grafen Heinrich von Fürstenberg erfolgte Stiftung des Franziskanerklosters auf dem Kniebis. Fast 10 Jahre haben die Franziskaner Mönche an ihrer Klosteranlage gebaut. Die kleine Kapelle von 1267 wurde zur Pfarrkirche erhoben und erweitert. Markante Veränderungen entstanden am Westgiebel, wo zwei Türen mit Rundbögen errichtet wurden. Ein kleiner schlichter Turm aus Holz, der ein Steinkreuz am Westgiebel ersetzen sollte, wurde mit einem Glöcklein versehen. Die Franziskaner haben nun diese Kirche nach Osten hin durch einen Chor mit drei Altären erweitert.

1275 wird schon von einem Hospiz (Herberge) berichtet, um Pilgern und Reisenden Schutz zu bieten. Das Kloster Kniebis erhielt von 1267 an unzählige Stiftungen und Schenkungen und verstandes, sich frühzeitig nach Einnahmequellen umzuschauen, damit sie ihren Unterhalt und die Verköstigung, sowie dieUnterbringung der Reisenden und Pilger samt ihren Tieren bestreiten konnten. Bald gehörten ihm in allen an den Kniebis angrenzenden Tälern, im Renchtal, Murg- und oberen Kinzigtal, in der Ortenau und bis ins hohenzollerische Gebiet insgesamt 52 Höfe. Sie wurden als Erblehen an Bauern vergeben gegen Ablieferung des Zehnten in Geld, Getreide oder anderenNaturalien. 

 

In einer Urkunde vom 07. Februar 1341 erfahren wir etwas über den freiwilligen Anschluss des Klosters Kniebis an das Kloster Alpirsbach. Damit wurden die Mönche Mitglieder des Benediktinerordens und das Kloster Kniebis ein Priorat von Alpirsbach mit einem Prior und siebenGeistlichen.  Die Mönche auf dem Kniebis konnten sich eine gewisse Selbstständigkeit bewahren, besonders die freie Priorwahl.   

Das Kloster Kniebis wurde in den Jahren 1463 und 1513 durch zwei Brände fast völlig zerstört. Der Landesherr, Graf Eberhard von Württemberg stellte1463 und 1513 Herzog Ulrich Bettelbriefe aus, mit denen man um Unterstützung für den Wiederaufbau bitten konnte. Nach dem zweiten Brand zog sich der Wiederaufbau hin, denn im Herbst 1517 wird noch von einem „verbrennten Closter zu Kniebis im Schwatzwald“ berichtet. Aber bald kam das Ende des Klosters. Als durch Herzog Ulrich 1534 die Reformation in Württemberg eingeführt wurde, bat der damalige Prior Beatus Bleyß, er möge doch Konvent und Gotteshaus bei seinen alten guten Bräuchen, Freiheiten und Herkommen gnädig belassenund versicherte, dass sie sich fernerhin treu und gehorsam verhalten werden.

Nach dem Tod des letzten Priors 1544 wurde das Kloster Kniebis aufgehoben, und alle Besitzungen wurden von Württemberg eingezogen. Nach der kaiserlosen Zeit erfolgte eine vorübergehende Restitition des Klosters (1549- 1559), das von Alpirsbacher Mönchen von neuem besiedelt wurde. Im Jahr 1559 wurde das Kloster Kniebis endgültig aufgelöst.

 

Im Jahr 1797 wurde die „sehr massive Kapelle“ von Französischen Truppenbelagert und ausgeplündert. Ein neuer schwerer Rückschlag hatte die Kniebisgemeinde 1799 ereilt, als die Soldaten im Hof einen Ochsen am Spieß braten wollten, fing das Kirchendach durch Funkenflug Feuer, und die Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder. In den folgenden Jahren wurden die Steine des völlig zerstörten Ostchores, samt den Fundamenten vollends abgetragen und weggeholt. Erst ab 1800 griff die staatliche Behörde ein, um die Ruine, die als letzter Rest geblieben war, vor weiterem Verfall zu schützen. Vorhandene Trümmerteile wurden zum Bau neuer Gebäude verwendet.

Bewuchs, eindringendes Wasser und Frost in der Mauerkrone machten der Ruine mehr und mehr zu schaffen. Schon im 19. Jahrhundert wurden immer wieder kleinere Reparaturarbeiten ausgeführt, um das Gemäuer vor dem Verfall zu retten. Doch in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts  tauchten zunehmend Schäden an der Ruine auf, die den Bauherrn, das Land Baden- Württemberg, zu erheblichen Sanierungsarbeiten zwangen. In erster Linie hatte sich der Landeskonservator in Verbindung mit der Denkmalschutzbehörde des Bauverwaltungs- und Umweltschutzamt Freudenstadt für die Sanierung eingesetzt.

Künftige Schäden will der Bauherr durch die Verwendung eines speziellen Mörtels verhindern und so noch möglichst lange für die Nachwelt erhalten.

 

Nach der Aufhebung des Klosters lebte erst ein Gastmeister mit seiner Familie im Kloster. Ab 1605 kam ein Zoller hinzu. Auch wird von ersten Holz- und Wegeknechten berichtet, die in einfachen Hütten im ehemaligen Kloster hausten.

 

Erst 1708 zog ein Baiersbronner Namens J.G. Haist als selbstständiger Siedler auf den Kniebis. 1772 hat Johannes Armbruster ein Haus gebaut, das heute noch steht und vermutlich das älteste Haus auf dem Kniebis ist. Um 1770 reichte Christian Wein ein Gesuch bei der Stadt Freudenstadt ein, auf dem Langenhardt ein Baufeld zu errichten und eine Behausung bauen zu dürfen.

Später entstanden auf dem Kniebis die ersten kleinen Siedlungen mit einfachen Häusern von Köhlern und Holzhauern, die Holzkohle für die Hüttenwerke in Christophstal herstellten. Bis 1812 waren es zwölf Gebäude. Und um 1836 waren folgende Wirtshäuser und deren Wirte bekannt:  der „Grüne Baum“ von Johann Epting, das „Gasthaus Ochsen“ von Faist Jakob, „Hirschwirt“ war Johann Gaiser und „Waldhornwirte“ waren Müller Klump und Friedrichs Kaupps Witwe (Brauerei und Schildwirtschaft).

Während auf württembergischer Seite die Besiedlung schon 1708 begonnen hatte, siedelte die Fürstlich Fürstenbergische Verwaltung um 1780 eine Holzhauersiedlung auf dem südlichen Kniebis an, die zunächst zum Stab Rippoldsau gehörte. Der Landesherr siedelte deshalb Waldarbeiter und Tagelöhner an, um das fürstliche Holz zu fällen und es talwärts zu schaffen. Die Wertsteigerung des Holzes und das Harzgeschäft veranlassten sowohl die fürstenbergischen Standesherren, sowie das waldreiche Kloster von Rippoldsau, immer mehr Waldarbeiter ins Wolftal zu holen. Selbst Zuwanderer aus den habsburgischen Alpenländern fanden im 17. uns 18. Jahrhundert eine neue Heimat. 1806 erhielt das Großherzogtum Baden das Gebiet zugesprochen.

Mit diesen Siedlern kamen auch neue Namen, wie Schmid, Müller und Schoch, ins obere Wolftal und auf den Kniebis. 1814 siedelten sich auf der badischen Kniebiskolonie 29 Familien an. Ein illegaler, aber rentabler Nebenverdienst war Jahrhunderte langdie Wilderei.

Harzerei ist ein Waldberuf und der einzige Naturreichtum, der gerade der armen Bevölkerung auf dem Kniebis zugute kam. Der Kniebis blieb mit Abstand die ärmste Gemeinde des Amtes Wolfach. Oft kam es damals zu Zwangsversteigerungen hochverschuldeter Familien. In den anschließenden Jahren von 1846- 1856 folgte ein Mißjahr nach dem anderen. Die ausweglose Situation und zunehmende Armut der Bevölkerung schien es vielen Kniebiser Bürgern und dem Fürstenbergischen Staat wünschenswert, dass wenigstens 100 Einwohner „dem Zug in die neue Welt“ folgten und auswanderten. Trotz aller Not bauten sich die wenigen Einwohner des Badischen Kniebis 1873 ein eigenes Schul- und Rathaus. Ohne Zustimmung der Bürger wurde am 1. April 1938 der badische Kniebis durch Reichsstatthaltergesetz nach Bad Rippoldsau eingemeindet.

Das Land um den Kniebis gehörte in kirchlicher Sicht am Anfang (ab 763) zum Kloster Lorsch, später nach der Gründung des Deutschen Reiches zum Bistum Bamberg (ab 1007). Damals war der Kniebis Grenzland zwischen den Diozösen Straßburg und Konstanz. Die Herzöge von Zähringen hatten in weltlicher Hinsicht das Bamberger Gebiet zu Lehen.

1218 wechselte es an die Fürstenberger, 1308 an die Hohenberger und 1320 endlich an Württemberg. Die Baiersbronner Markung reichte bis an die württembergische Landesgrenze am Kniebis und Zwieselberg. Sie umfasste auch das Gebiet, auf dem später Freudenstadt 1599- 1612 erbaut wurde.

Nach der Auflösung des Klosters 1544 entfachte sich ein jahrelanger Streit um die Zuständigkeit und Zugehörigkeit der Kniebisbewohner zwischen der alten Gemeinde Baiersbronn (Amt Dornstetten) und dem Amt Freudenstadt. Erst 1750 konnte eine erste Regelung getroffen werden,

in dem man das Gelände teilte. Nördlich der Durchgangsstraße kam das Gebiet zu Baiersbronn, südlich der Straße zu Freudenstadt. Nachdem die Besiedlung auf dem Kniebis im 17. Jahrhundert begonnen hatte, entstanden zwei Holzhauerkolonien, die sich in politischer und kirchlicher Hinsicht  eigenständig entwickelten.

 

Nach 1945 wurde das Gebiet im deutschen Südwesten durch Besatzungsmächte neu geformt. Am 25. April 1952 wurden die Länder Baden, Württemberg- Baden und Württemberg- Hohenzollern zu einem Südweststaat vereint. Mit dem Inkrafttreten der Landesverfassung bekam der Südwesten am 19. November 1953 seinen offiziellen Namen „Baden- Württemberg“.

 In der Folgezeit orientierte sich der Kniebis immer mehr Richtung Freudenstadt. Am 14. Juni 1971 wurde bei einer Bürgerversammlung durch Unterschrift aller drei Bürgermeister (Freudenstadt, Baiersbronn und Bad Rippoldsau) eine Erklärung unterschrieben, dass die Dreiteilung des Kniebis ein Ende haben müsse. Als geschichtlich bedeutsamer Tag wird der 12. November 1974 beschrieben, als die drei Bürgermeister, Gerhard Wolf (Freudenstadt), Franz Adis (Baiersbronn) und Hubert Schmid (Bad Rippoldsau- Schapbach) im Kurhaus Kniebis ihre Unterschrift zur Vereinheitlichung und Eingliederung des bisher dreigeteilten Kniebis leisteten. Der neue Ortsteil wurde ab dem 1. Januar 1975 in die Stadt Freudenstadt eingegliedert und mit einem Ortschaftsrat und einer Ortschaftsratverfassung ausgestattet. Mit dem Zusammenschluss der drei Ortsteile wurden auch die Schulen vereint. Die Hauptschüler des ehemals Badischen Kniebis waren die ersten, die von einer Badischen Schule ins Württembergische kamen und von hier fortan unterrichtet wurden.  (Wappen von FDS, Baiersbr. und Rippoldsau)

Inzwischen ist der gesamte Kniebis als höchster Teilort von Freudenstadt und dem gesamten Kreis zu einem Kurort mit vielen attraktiven Angeboten im Sommer, wie im Winter, gewachsen.

Es bestehen weiterhin gute Beziehungen zu den drei ehemaligen Muttergemeinden.

 

 

Kloster- und Heimatgeschichtsverein Kniebis e.V.

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