Gründung und Geschichte des Langenhardt (#0002-0003)

Gründung und Geschichte des Langenhardts

Wenn wir die Geschichte des Kniebis betrachten und uns mit der Besiedelung außerhalb des Klosters befassen, so dürfen wir eine Parzelle nicht außer acht lassen, die für die Gründung und Entstehung des Kniebis nicht unbedeutend war. Wenn anfangs nur ein Haus im Forbachtal bei km 7,2 zwischen Freudenstadt und dem Kloster Kniebis stand, das von zwei Familien bewohnt wurde, so kamen später noch weitere Häuser dazu.

Doch zur Vorgeschichte müssen wir zurück ins 17. Jahrhundert, als der Schwarzwald und auch die Gegend entlang des Forbachtals sehr weitläufig und kaum besiedelt war.
Erst als immer mehr Gruben und Bergwerke ab dem 15. Jahrhundert entstanden, nahm die Besiedelung in unserer Region langsam zu. Herzog Christoph und Herzog Friedrich von Württemberg setzten sich verstärkt für den Abbau von Silber und Kupfer ein. Das in Chritophstal gewonnene Silber wurde zur Herstellung von Geldmünzen verwendet. Die ersten Bergwerkstaler wurden 1573 in Stuttgart geprägt und zeigen auf der Vorderseite den heiligen Chritophorus. (Erste Erwähnung über Silbervorkommen schon 1267 in einer Urkunde.) Es wurden Anlagen im Forbachtal zur Verhüttung, und später unter Herzog Friedrich auch zur Weiterverarbeitung gebaut, die bereits 1778 über 48 Gebäude umfasste. Geschürft wurde an vielen Stellen des Schwarzwaldes, im Gebiet des Freudenstädter Schöllkopf, am Finkenberg, (Friesenberg) und besonders im Forbachtal, welches sich zu einem zentralen Standort der Verhüttung und Weiterverarbeitung entwickelte.
Aber nicht nur die Hüttenwerke, sondern auch die unzähligen Glasmacher und Glashütten in unserer Region benötigten Unmengen an Holzkohle zum Schmelzen und Verarbeiten von Metallen und Glas. Überall da, wo Holz, Holzkohle in großen Mengen gebraucht wurden, reichten die vorhandenen Arbeitskräfte nicht aus. Dann mussten möglichst geschulte Leute aus anderen Gegenden kommen. Einige Waldgewerbe, die in unserer Landschaft besondere Bedeutung hatten, sind zunächst die Holzhauer, die Flößer, die Teerbrenner, die Pottaschesieder, die Harzer, die Glaser und Glasmacher, sowie die Köhler (Kohler). Was der „Köhler oder Kohler“ tut oder macht, braucht wohl nicht erklärt zu werden. Aber außerhalb der Gegenden, wo wenige oder keine Köhler am Werk waren, oder wo die letzten Köhler und ihre Meiler noch nicht vergessen sind, ist vielen Leuten nicht klar, welche Bedeutung die Köhler früher einmal hatten. Ebenso unbekannt ist, dass der Beruf des Köhlers ein Handwerk ist, das eine Lehre, Erfahrung und Gefühl für Verantwortung erfordert. Da alle diese Waldleute, ob- Einheimische oder Zugezogene, ihrem Rohstoff „Holz“ nachziehen mussten, konnten sie nur bedingt oder nur zeitweilig sesshaft werden. Da die besagten Waldleute in unserer Gegend meist mit ihren Familien im Wald lebten, genügte es nicht, in den Schlagwäldern und Kohlwäldern Hütten oder Blockhäuser als Unterkünfte für die arbeitenden Männer zu bauen, vielmehr entstanden kleine Siedlungen mit einfachen Häuser als Wohnungen für die Familien. Diese Ansiedlungen waren zunächst nicht für die Dauer gedacht, und viele sind wieder verschwunden. Andere Waldsiedlungen bestehen noch heute, wie zum Beispiel Zwieselberg , Steinwald, Ochsenhardt auf dem Kniebis, einige Wohnplätze am Forbach, der hintere Tonbach (Kohlwald) und Schönegründ.

Zum Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts liegen einige Nachrichten über Köhler in den Wäldern zwischen Freudenstadt und dem Kniebis und um Baiersbronn vor. Ein Beweis dafür sind Rechnungen der Faktorei Christophstal vom Jahr 1699/1700 in denen folgende Einträge standen:
1.   Unter Holzhauerlöhne:  "4805 Clafter“ Holz haben Wolfgang und Michel Weegscheider, Michel und Christi Kohler,  desgleichen, Jacob Zwerleuttner, Niclaus Wein, Conrad Gäbelen et Consorten auff dem Schoellkopf diß Jahr abgetrieben und aufgesetzt".
2.  Unter gemeine Tagelöhne: „Bey Aufrichtung der neuen Zimmerhütten haben sich brauchen lassen Matthes Bertiller, Andres Haaß, Benedit Fahrner, Johannes Wilhelm, Balhas Fux und Niclaus Wein“.

Das Köhlergeschlecht Wein.
Nach  Schulmeister Johannes Gaiser (1780- 1876) in Baiersbronn soll einer festgehaltenen Überlieferung nach das Geschlecht Wein aus Tirol stammen. Dort ist der Name aber nicht zu finden. Dagegen lebt seit dem 16. Jahrhundert in Großsachsenheim und Bönnigheim ein Geschlecht Wein, in dem sich mehrere Schmiede finden. In Waltenheim bei Brumath im Unterelsaß wohnte seit etwa dem Jahr 1650 ebenfalls eine Familie Wein, darunter der Gastwirt Niclaus Wein (geb. 1650 gest. 1712). Gründe, aus dem Elsaß in den Schwarzwald zu ziehen, gab es im 17. Jahrh. mehrere.
Nikolaus Wein  (geb. 1686 gest. 1754) heiratete im Jahr 1711 Elisabeth Kessler (Beßler?). In welchem Verhältnis Nikolaus und Niclaus Wein zueinander standen, war Niclaus der Vater von Nikolaus Wein?  In den Jahren 1726/1727 und 1729/30 wird Nikolaus Wein dann als Holzhauer auf dem Hirschkopf genannt. Einige Jahre später erscheinen die Weins auf dem Sandwald beim Kniebis. (Offenbar war der damalige Sandwald größer als die heutige Waldabteilung Sandwald, hat also bis zum Dorf Kniebis gereicht). Als dort wohnend wird Johannes Wein (geb. 1712, gest. 1797), ältester Sohn des Nikolaus, im Jahr 1736 bei seiner Hochzeit mit Agatha, Tochter des Johann Bernhardt Günther auf dem Berg Mosis in Baiersbronn genannt.
Als 7. Kind von Nikolaus und Elisabeth Wein wird der 5. Sohn Christian Wein (geb.1812) verheiratet mit Anastasia Fuoß aus Talheim genannt. Die Stammeltern Nikolaus und Elisabeth Wein und die Söhne Karl und Christian zogen im Jahr 1753 in den Langenwald, der bekanntlich rechts und südlich vom Forbach vom Kniebis bis zum Langenwaldsee zieht und vom Forbach bis hinauf zum Schöllkopf reicht, fürwahr ein „langer Wald“. Deshalb ist mir auch nicht gelungen, wo die Weins im Langenwald wohnten. Einen Hinweis gibt die von Forstgeometer Kohle im Jahr 1811 vermessene Karte des Freudenstädter Forsts. Auf dieser Karte heißen die Wiesen am Forbach östlich der heutigen Christenwies- Hütte „Langhardters Wies“. Diese Wiese heißt sonst „Christenwies“= Christians Wiese, ich nehme an, dass damit Christian Wein, Sohn des Nikolaus gemeint ist. Nördlich von der genannten Hütte, zwischen Waldstraße und rechtem Ufer des Forbaches, ist eine große Kohlplatte, in deren Böschung zur Straße Trümmer eines Steinofens ähnlich den Öfen am Heimbächle im Tonbach stecken. Ich vermute daher, dass der Wohnplatz der Weins im Langenwald in der Umgebung der Christenwies- Hütte zu suchen ist. Der Name Christenwies ist später in die Seitenklinge am Schwarzen Stich hinaufgewandert.
Im Jahr 1772 reichte Christian Wein ein Gesuch ein mit der Bitte, das Neugereut und den Heidenberg auf dem Langenhardt zu einem Baufeld richten und dort eine Behausung erbauen zu dürfen. Im Jahr 1774 wurde dieses Haus von der Stadt Freudenstadt in die Brandversicherung aufgenommen.


Christian Wein gründete die Kolonie Langenhardt.

Danach wohnten auf dem Langenhardt:
1.  Christian Wein, Köhler, der Langhardter mit seiner 2. Frau Anastasia, geb. Fuoß, die aus Talheim bei Tuttlingen stammte.
2.  Karl Wein, Köhler, mit Frau und Söhnen, von denen Jung Christian („Christianus“) im Jahr 1773 „Tagelöhner auf dem Langenhardt“ genannt wird.

Mit dem Tod von Alt Christian Wein endet das Köhlergeschlecht auf dem Langenhardt. Heute wissen wir, dass sich das Geschlecht Wein hauptsächlich im oberen Murgtal angesiedelt hatte.
Aber durch die 2. Ehe von Christian Wein mit Anastasia geb. Fuoß aus Talheim kam ein neues Geschlecht auf das Langenhardt, das sich später über das Ochsenhardt auf dem Kniebis ansiedelte. Anastasia Claiß(le) geb. Fuoß brachte zwei Kinder aus 1. Ehe mit, in der sie mit dem Köhler Johann  Klaiß(le) auch (Claiß(le) im Steinwald verheiratet war. (Die Kinder. Johann Martin Klaiß(le) und seine Schwester Anna Catharina Klaiß(le).

Alt Christian Wein hatte offenbar keine leiblichen Erben, weder aus seiner ersten, noch aus seiner zweiten Ehe. Deshalb hat er das Haus auf dem Langenhardt im Jahr 1779 durch einen Kindskauf an seinen Stiefsohn Johann Martin Klaiß(le) übergeben. Im Jahr 1812 ist Alt Christian Wein auf dem Langenhardt gestorben. Auf der schon erwähnten Karte des Freudenstädter Forsts, die im Jahr 1811 gefertigt wurde, ist auf dem Langenhardt ein Haus eingetragen. Später kam ein zweites Haus dazu. Beide Häuser wurden von Klaißle, Nachkommen des genannten Johann Martin Klaißle bewohnt, gelegentlich verändert und erneuert.

Ein Nachkomme war Christian Adam Klaißle (Bauer auf dem Langenhardt Kniebis), der 1888 Rosine geb. Fahrner heiratete. Als 6. Kind dieser Ehe wird im Juli 1897 Georg Klaißle (Langhardter Schorsch) geboren. Sein Geburtshaus , das oben am Waldrand stand wurde bereits 1943/44 auf drängen der Stadt Freudenstadt abgerissen.
Georg Klaißle heiratete Elisabeth geb. Jockers aus Kork bei Kehl. Bereits 1925 erbaute Georg Klaißle an der Kniebisstrasse (Reichsstraße Nr.28) ein neues Haus, das er „Pension Klaißle“ nannte. Während inzwischen 4 Familien in zwei Häusern auf dem Langhardt wohnten und hauptsächlich Landwirtschaft betrieben, Bauer, Fuhrleute und Holzhauer waren. Als Steuerzahler und Bürger hatten die Bewohner vom Langenhardt, welche als Wohnsiedlung schon lange besteht, auch einen gewissen Anspruch auf Versorgung mit Wasser und elektrischem Licht, nachdem auch der Kniebis damit versorgt wurde, und die elektr. Leitung am Haus vorbeiführte. Die elektr. Leitung der Energie Versorgung Schwaben (EVS) führte an den Häusern im Langenhardt unmittelbar vorbei, und es wäre lediglich eine Transformatorenstelle zu errichten, nachdem seit Weihnachten 1941 der Kniebis mit Strom beliefert wird. Leider sind die Bewohner des langenhardt nicht gehört worden!

Am 7. November 1942 erhalten die 4 Familien in Langenhardt Kniebis vom Bürgermeister der  Stadt Freudenstadt folgendes Schreiben.
„Aus gesundheits- und sicherheitspolizeilichen Gründen wird den Herren mitgeteilt:
1.    Gottlob Klaißle, Fuhrmann in Langenhardt
2.    Jakob Friedrich Klaißle, Bauer u. Fuhrmann in Langenhardt
3.    Georg Klaißle, Holzhauer in Langenhardt
4.    Friedrich Klaißle, Bauer u. Fuhrmann in Langenhardt
 als Inhaber eines Landwirtschaftsbetriebes auf der Parzelle Langenhardt zum Zwecke der Abstellung der Mängel in der öffentlichen Wasserversorgung für die Stadt Freudenstadt, die unten bezeichneten Auflagen innerhalb der angegebenen Frist vom Tag der Zustellung an gerechnet zu erledigen und stets einzuhalten sind.
Nach dem Gutachten  des Württ. Medicinal Landesuntersuchungsamts Stuttgart vom                     3. September 1942 ist auf Grund mehrfacher bakteriologischer Untersuchungen und Quellmessungen festgestellt worden, dass das sonst reine Quellwasser des für die öffentliche Wasserversorgung von Freudenstadt benützten „Jakobsbrunnen“ durch die Bewässerung aus dem Forbach abzweigenden Bach Nr.3 und durch die Oberflächendüngung der auf dem Langenhardt liegenden landwirtschaftlichen Betriebe der oben genannten vier Landwirte wesentlich verschlechtert wird. Das Untersuchungsamt Stuttgart hat deshalb die öffentliche Wasserversorgung von Freudenstadt aus dieser Quelle auf Grund der bakteriologischen Untersuchung beanstandet. Aus der Wasserprobe sind Colibakterien (Bakterien des menschlichen oder tierischen Darmes) festgestellt worden. Zur Beseitigung der erhobenen Mängel in der öffentlichen Wasserversorgung für die Stadt Freudenstadt treffe ich deshalb aus gesundheits- und sicherheitspolizeilichen Gründen mit sofortiger Wirkung folgende Anordnung und erteile den oben genannten 4 Grundstückseigentümern folgende amtliche Auflage:

1. Der bisher für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Grundstücke auf dem Langenhardt benützte, vom Forbach abzweigende Bach Nr.3 wird mit sofortiger Wirkung abgestellt. Die Bewässerung der Wiesen oberhalb der Kniebisstrasse (Reichsstrasse Nr.28) ist sofort einzustellen. Damit hört auch die Wegnahme von Wasser aus diesem Bach für Wasch- und Kochzwege und zur Tränkung des Vieh usw. auf. Den Bewohnern der Parzelle Langenhardt wird anheimgegeben, sich mit Georg Klaißle (Gbd. Nr.19) ins Benehmen zu setzen, um von diesem das erforderliche Wasser aus seiner Widderanlage entnehmen zu dürfen. Georg Klaißle, der die Widderanlage erstellt und eine im Stadtwald Abt. VI 3 entspingende Quelle in stets widerruflicher Weise angeschlossen hat, erhält die Auflage, den übrigen Bewohnern vom Langenhardt Wasser nach Bedarf und soweit möglich aus dieser Quelle und Widderleitung gegen Bezahlung einer angemessenen Entschädigung abzugeben.
2. Die Grundstückseigentümer der oberhalb der Kniebisstrasse (Reichsstrasse Nr.28) liegenden Wiesenparzellen
a)    Nr.2762/3 u. 2764 (Besitzer Gottlob Klaißle)
b)    Nr. 2761/2762/ 1u.2 und 2763 (Besitzer Jakob Friedrich Klaißle)
c)    Nr. 2768 (Besitzer Georg Klaißle)
d)    Nr. 2760 u. 2766 (Besitzer Friedrich Klaißle)

haben die Oberflächendüngung ihrer Wiesen mit natürlichem Dünger (Fäkalien, Gülle, Mist) mit sofortiger Wirkung und für die Zukunft einzustellen. Kunstdünger kann verwendet werden. Für den Fall, dass sich aus Nichtbewässerung und der zukünftigen Beschränkungen der Düngung Mindererträge der Grundstücke ergeben, leistet die Stadt Schadenersatz. Der hierdurch entstehende Schaden ist durch das Kulturbauamt Freudenstadt als zuständige Behörde festzustellen.
3. Die obengenannten 4 Landwirte haben alle häuslichen und landwirtschaftlichen Abwässer einschließlich der Dunggruben zu sammeln und in wasserdichten Kanälen bis unter den Quellhorizont des Jakobsbrunnen abzuleiten. Die Ausführung dieser Arbeiten ist zur Zeit nicht möglich, aber nach Kriegsende durchzuführen“.

Der Bürgermeister der Stadt Freudenstadt
Dr. Blaicher

Es folgte nun ein jahrelanger Rechtsstreit mit Gutachten und Gegengutachten zwischen den Bewohnern des Langenhardt, der Stadt Freudenstadt und der Landesbauernschaft Württemberg in Stuttgart.  Für die 4 Familien vom Langenhardt war eine Bewirtschaftung der Felder im Langenhardt ohne Bewässerung (nach Abstellen des Baches Nr.3) und ohne natürlichen Dünger aus dem Stall und eigener Güllegrube und nur mit Kunstdünger, wie angeordnet, bei der Bodenbeschaffenheit nicht  möglich.

Als bei der Erstellung des Schwimmbads auf dem Kniebis etwa im Jahr 1928 die Frage einer etwaigen Verunreinigung der öffentlichen Gewässer durch die Schwimmbadanlage zur Sprache kam, erklärte der Sachverständige, dass schon nach 30-40m Wasserlauf  jede Beeinträchtigung ausgeschlossen und jedes Wasser wieder vollständig klar und gereinigt sei. Nunmehr soll im Langenhardt bei einem Wasserlauf von etwa 800m eine Beeinträchtigung und sogar starke Gefährdung vorliegen. Dabei bestand auch schon die Absicht, die Bewohner vom Langenhardt zu evakuieren und die Höfe im Langenhardt zu entfernen. Auch die Bewohner des Kniebis, insbesondere Hotels, Fremdenpensionen usw, sowie durch die Wasserspülung und Abortabteilung des Schwimmbads sollen verunreinigte und schädliche Stoffe dem vom Forbach abzweigenden Bach Nr.3 zugeführt haben. Auf diese Weise soll das Vorhandensein und Auftreten von Colibakterien erklärbar sein. Im Jahr 1940 ist auf dem Langenhardt Typhus ausgebrochen und wieder wurde als Ursache das verunreinigte Wasser des Forbachs, das man auch zum Trinken auf dem Langenhardt verwendete, als Grund angegeben.

Als Steuerzahler und Bürger der Stadt Freudenstadt hatten die 4 Familien des Langenhardt nochmals auf ihr Recht der Versorgung mit Wasser und elektrischem Licht hingewiesen, da die bisherige Wasserversorgung durch den Bach Nr.3 von der Stadt Freudenstadt einfach abgeschnitten wurde. Für die am Langenhardt unmittelbar vorbeiführende Stromleitung  waren die Bewohner des Langenhardt bereit, durch einen einmaligen Sonderbetrag von 1600.- RM zur Erstellung des Transformatorenhauses zu leisten. Die vollen Kosten betrugen 3800.- RM und konnten von den Bewohnern des Langenhardt nicht getragen werden. Die Versorgung mit elektrischem Strom würde zur Abschaffung von Benzin und Petrolium zu Beleuchtungs- und Betriebszwecken (Motoren und landwirtschaftliche Maschinen usw.) beitragen und wäre im Interesse der Ersparnis von Benzin und Petrolium, das vom Deutschen Reich aus angeordnet wurde.

Nachteilig für eine schnellere Bearbeitung und Erledigung der von den Langhardter Bürgern erwähnte Anliegen waren die Kriegs.- und Nachkriegsjahre sowie die fehlenden finanziellen Mittel die der Krieg verschlungen hatte.

Die 4 Familien Klaißle:
Georg Klaißle: ,    Holzhauer, betreibt eine Fremdenpension und hatte  Landwirtschaft mit 4 Morgen Feld und eine Kuh.
Gottlob Klaißle:    Landwirt, hatte etwa 16 Morgen Felder, 2 Kühe, 1 Ochse und 2 Stück Jungvieh.
Jakob Klaißle:      Landwirt, hatte etwa 15-16 Morgen Felder, 4 Kühe 1 Ochse und 2-3 Stück Jungvieh.
Friedrich Klaißle:  Landwirt und Säger, hatte etwa 14 Morgen Felder, 2 Kühe und 2 Rinder.


Gottlob Klaißle und Jakob Klaißle benutzten zum Futterschneiden und Dreschen einen Benzinmotor und verwendeten zur Beleuchtung Petrolium. Georg Klaißle erzeugte mit einem Benzinmotor Licht. Benzin und Petrolium waren knapp und teuer, aber auch feuergefährlich und  imdeshalb ist Interesse der Sicherheit des Betriebs der Anschluss an die elektrische Leitung notwendig. Was sich über Jahrzehnte abgezeichnet hatte, wurde nun zur traurigen Gewissheit.

Am 28. November 1963 schreibt „Der Grenzer“ in einem Zeitungsbericht: „Unter die Spitzhacke gekommen sind jetzt die zwei Anwesen Klaissle an der Bundesstrasse 28 zwischen Freudenstadt und Kniebis im Langenhardt. Die Eigentümer haben inzwischen ihre neuen Häuser, die auf dem Kniebis gebaut wurden, bezogen. Die Umsiedlung wurde notwendig, um eine Beeinträchtigung der Freudenstädter Quellenfassung zur Wasserversorgung auszuschließen.“

In einem Gespräch mit der oben genannten Zeitung lobten Georg Klaißle und Frieda Klaißle die aufrichtige Unterstützung und Hilfe der Herren Gerhard Wolf (Amtsrat) und Karl Sängle (Stadtpfleger) in der Stadtverwaltung.

Doch wieder hatten die Familien Klaißle Nachteile. Die Landwirtschaft, die die Klaissle noch am Langenhardt betrieben, musste aufgegeben werden, da auf dem Kniebis kein Gelände vorhanden war. So nannte Georg Klaißle beispielsweise am Langenhardt 60 Ar sein Eigentum. Am Kniebis hat er 28 Ar wiederbekommen, das andere wurde abgelöst.

Die Kosten für Abriss und Entsorgung der Häuser am Langenhardt und den Baugrund der neuen Häuser auf dem Kniebis übernahm die Stadt Freudenstadt.

Wie uns Frau Valerius (geb. Klaißle) mitteilte, mussten die Familien Georg und Eugen Klaißle für die Baukosten ihrer neuen Häuser selbst aufkommen. Aber diese Umsiedlung brachte nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile. So erkannten die Familien in den 60iger Jahren die Zeichen des aufstrebenden Tourismus auf dem Kniebis und an der Schwarzwaldhochstrasse und schlossen sich diesem Trend an.

So wurde aus der Pension Klaißle am Langenhardt auf dem Kniebis eine“ Pension und Vesperstüble“ mit eigener Metzgerei und Verkaufsladen. Auch Eugen und Frieda Klaißle boten in ihrem neuen „Haus Sonnenblick“ mit 6 Doppel.- und 2 Einzelzimmern mit Frühstück und Garagen beim Haus ideale Bedingungen für gemütliche und erholsame Urlaubstage. Die Familien Klaißle haben viele Jahrzehnte am Langenhardt zusammen gewohnt und sind hier am Kniebis wieder Nachbarn. Auf die Frage, wie es ihnen auf dem Kniebis gefällt, meinte Frieda Klaißle: „Wir haben uns am Langenhardt immer wohlgefühlt, aber hier gefällt es uns auch. Wir sind ja nicht weit weg gezogen und kennen die Leute hier.“



Hug Wolfgang

Kloster- und Heimatgeschichtsverein Kniebis
             

Joomla templates by a4joomla