S`isch Feierabend
 

Unter dieser Überschrift gab Lore Nübel in einer Zeitungsbeilage die Aufgabe ihres Geschäftes am 17. Januar 2015 bekannt. Die Geschäftschronik  der Familie Hornberger begann mit Georg und Emma Hornberger geb. Günter aus Buhlbach (Glashütte) im Jahr 1929 auf dem Kniebis. Mit der Eröffnung eines Ladens  im Haus der Familie Fahrner, (später Ernst Haist) in der damaligen Dorfstraße begann eine Zeit, in der die Familien Hornberger viele Höhen und Tiefen durchlebten. Das Angebot reichte von Haushaltswaren, Obst und Gemüse, Reiseandenken, Kuckucksuhren, Spielwaren bis zu Ansichtskarten. Neben der Hausarbeit war Emma Hornberger auch im Laden tätig, während ihr Mann Georg Hornberger mit seinem eigenen Bus zwischen 1929-1939 Ausflugsfahrten für Urlauber machte, die durch KdF (Kraft durch Freude) vom Deutschen Reich unterstützt wurden. Nach 1939 wurde auf der Schwarzwaldhochstraße eine Postbuslinie eingerichtet, und Georg Hornberger wurde arbeitslos und musste seinen Bus verkaufen. Während seiner Arbeitslosigkeit übernahm er den Laden und versorgte die beiden Kinder Werner und Lore, so konnte Emma eine Arbeitsstelle im Hotel Zuflucht annehmen, wobei sie den Weg zur Arbeitsstelle täglich zu Fuß hin-und zurück bewältigen musste.


Schon vor dem 2. Weltkrieges 1939 hat sich Georg Hornberger einen eigenen Lkw gekauft und wurde  so vom  Wehrdienst befreit. Stattdessen  musste er das Dorf mit Güternahverkehr, Kohlentransport, Milch und Futtermittel für Mensch und Tier von Freudenstadt auf den Kniebis in verschiedene Häuser bringen. Emma Hornberger beendete deshalb ihr Arbeitsverhältnis in der Zuflucht und führte fortan wieder den Laden und den Haushalt.


Das Obst und Gemüse, das nicht mehr verkauft werden konnte, wurde in Gläser eingekocht und war in Notzeiten für so manche Familien eine gefragte Reserve.


1943 am Pfingstmontag verunglückte bei einem schweren Unfall der Sohn Werner Hornberger, Bruder von Lore Hornberger.
1948 musste die Familie einen weiteren Rückschlag verkraften. Emma- und Georg Hornberger mit Tochter Lore mussten aus dem Haus Haist wegen Eigenbedarf ausziehen und ihren Laden aufgeben. Im Haus der Schusterei Mutschler (heute Seiler) 100 Meter unterhalb ihrer letzten Wohnstätte hatten sie eine neue Unterkunft gefunden.


1951, nach drei Jahren, zog die Familie Hornberger in ihr neu erbautes Wohnhaus mit  Laden, das auch an der Dorfstraße, Ecke Alter Weg zwischen den beiden Häuser Haist und Mutschler steht. Es war ein Wohnhaus ohne Heizung, (nur vereinzelte kleine Öfen) fließendes Wasser und ohne Tapeten an den Wänden.


 Der Ausbau erfolgte so nach und nach, und 1955 konnte als letzter Bauarbschnitt die Heizung eingebaut werden. Zwei Jahre später folgte ein Anbau mit zwei Zimmern und einer Garage.
Völlig überraschend verstarb Georg Hornberger im Dezember 1957 im Alter von 59 Jahren  an einem Herzinfarkt. Ein herber Rückschlag, der für die beiden Frauen Emma und Lore Hornberger zu einer Belastung am Rande des Möglichen wurde. Lore Hornberger arbeitete von 1950- 1975 im Gasthaus Ochsen als Bedienung  und musste nach dem Tode ihres Vaters die Arbeitsstelle kündigen. Sie musste fortan ihre Mutter unterstützen und mit Robert Armbruster (Sohn vom Gasthaus Waldeck), der mit dem Lastwagen die Bestellungen und Aufträge ausfuhr, begleiten. Durch die Hilfe von Robert Armbruster konnte der Laden und der Fuhrbetrieb weiter geführt werden.
1960 lernte Lore Hornberger ihren Mann Helmut Nübel aus Dornstetten kennen, der bei der Firma Süd-Milch Freudenstadt arbeitete  und Lore mit ihrem Fahrer  Robert Armbruster die bestellte Lieferung abholte. Am 6. Mai 1961 schworen sich Helmut Nübel und Lore Hornberger ewige Treue und als Beweis ihrer Liebe schenkten sie drei Kindern das Leben. Der Fuhrbetrieb wurde noch weiter betrieben bis er 1963 abgegeben wurde. Emma Hornberger und Lore Nübel führten ihren Laden gemeinsam weiter, bis sich Emma Hornberger 1982 aus dem Arbeitsleben zurückzog. Im Juni 1984 verstarb Emma Hornberger im Alter von 81 Jahren. Nun lag es an Lore Nübel, den Laden ihrer Eltern alleine weiterzuführen. Ihr Mann Helmut Nübel war unterdessen immer noch bei Süd- Milch beschäftigt und als Ausfahrer viel unterwegs.
Es folgte eine Zeit, in denen Supermärkte mit ihren Sonderangeboten vielen Tante-Emma-Läden das Überleben erschwerten. Steigende Ansprüche der Touristen und Billigflugreisen in fremde Länder sorgten für sinkende Übernachtungszahlen auf dem Kniebis. Auch das Hotelsterben entlang der Schwarzwaldhochstraße hatte den Kniebis erreicht. Nicht nur gastronomische Betriebe, auch viele Privatvermieter und nicht zuletzt die Geschäftswelt hatten mit der Situation zu kämpfen. Geschäfte die vom Tourismus lebten und ihr Angebot darauf abgestimmt hatten, mussten ihr Angebot reduzieren oder  teilweise aufgeben. So musste auch Lore Nübel von Jahr zu Jahr sinkende Umsatzzahlen verbuchen. Bei  Wochenumsätzen von nur 120.- Euro und weniger stellt sich die Frage,  warum sich Lore Nübel das bis heute angetan hat. Trotz gesundheitlichen Problemen und mehrere Operationen antwortet sie, „der Kontakt zu den Menschen, das Miteinander“ sei es, was ihr gefehlt hätte.


Heute mit 81 Jahren blickt Lore Nübel zurück und spricht über eine gute Zeit die mit Arbeit ausgefüllt war.
Für Lore Nübel beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt, denn am 17. Januar 2015 ist ihr Laden zum letzten male geöffnet.
Der Kloster- und Heimatgeschichtsverein Kniebis wünscht Lore Nübel und ihrer Familie alles Gute, Gesundheit und noch viele schöne Jahre.


W. Hug  
Kloster- und Heimatgeschichtsverein Kniebis
       
 

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